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Reinhard Bingener (FAZ) hält der Kirche einen Spiegel vor

Kirche soll öffentlich wirken - und bei sich selbst bleiben

WESTFALEN - Der Journalist Reinhard Bingener sieht die Kirche in Mitteleuropa an einer «Epochenschwelle». Deshalb sollte sie sich auf sich selbst konzentrieren, ohne sich in sich selbst zu verschließen, sagte der Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch (19.11.) vor der Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Das »Kirchenparlament» tagt noch bis Donnerstag in Bielefeld.


Die Kirche, sagte Bingener, dürfe durchaus «öffentlich Kirche sein - aber sie wird alles tun müssen, dabei bei jedem einzelnen Schritt bei sich selbst zu bleiben». Bingener warnte vor einem Einbruch der Finanzen in absehbarer Zeit. Jede bisher vorhandene Struktur würde dadurch in Frage gestellt. Weder Aktionismus noch Lähmung seien darauf die richtigen Antworten. Die Kirche solle vielmehr «predigen, dass die Herzen weich werden. Mit aller Nähe und Menschlichkeit. Aber auch mit jener Schärfe, die das weiche Herz von Selbstmitleid und Selbstbezogenheit unterscheidet.»

Die Kirchen in Deutschland seien zwar «noch gut situiert, aber nicht reich». In der evangelischen Kirche beobachtet er weniger Fälle von persönlicher Bereicherung oder persönlicher Verschwendung - allenfalls «Stellen, die genau genommen verzichtbar wären». Einzelheiten nannte er jedoch nicht.

Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung klaffen in der evangelischen Kirche auseinander, so der Journalist und evangelische Theologe. Er wies kritisch auf die zahlreichen Doppelstrukturen hin. Zwar sei vieles historisch gewachsen und durchaus verdienstvoll. Manches sei aber nicht mehr nachvollziehbar. Bingener: «Auch hier wäre mehr Mut und mehr Klarheit wünschenswert.»

Die Lösung der Zukunftsprobleme liege nicht in Organisationsplänen: «Sie werden die kommenden Herausforderungen nicht wegorganisieren können. Im Kern wird es eine geistliche Herausforderung sein.»

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