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FreshX: Westfälische Delegation besuchte ungewohnte Formen christlichen Lebens

Kirche im Nagelstudio

In der Evangelischen Kirche von Westfalen soll es Raum für neue, ungewohnte Formen christlichen Lebens geben, die bisher in der kirchlichen Ordnung nicht vorgeprägt sind. Weil die Kirchenleitung dieses Ziel vor Augen hat, fand bis Sonntag (2.10.) eine Exkursion nach Württemberg statt, wo die Entwicklung neuer kirchlicher Ausdrucksformen besonders reich und vielfältig ist.

»Das System unserer herkömmlichen Kirchengemeinden kommt an seine Grenzen, wenn es um kirchliche Präsenz und Attraktivität bei den Menschen geht«, erklärt Oberkirchenrätin Doris Damke (Bielefeld). Dieser Herausforderung will die Kirchenleitung begegnen.

In England hat sich seit zwei Jahrzehnten eine Bewegung neuer kirchlicher Aufbrüche gebildet. Sie wird von der Anglikanischen Staatskirche, die mit ähnlichen Problemen zu tun hat wie die Kirchen in Deutschland, inzwischen gezielt gefördert. Solche neuen kirchlichen Ausdrucksformen, »Fresh Expressions of Church«, kurz: Fresh X, fügen sich nicht in die bisherigen kirchlichen Strukturen ein.

Deutlich wurde bei den Besuchen, dass es ohne Mut zum Risiko nicht geht. »Die Landeskirche kann solche Projekte nicht machen – es geht vielmehr darum, wo ein neuer Aufbruch geschieht, ihn zu fördern und wachsen zu lassen«, erklärte Albert Henz als Theologischer Vizepräsident. »Wir brauchen einen Mentalitätswandel: die Bereitschaft, sicheres Gelände zu verlassen.«

In Leonberg bei Stuttgart ist aus dem offenen Strafvollzug für Jugendliche in einem alten Gutshaus eine Gemeinde unter dem Dach der württembergischen Landeskirche entstanden, zu der man auch ungetauft gehören kann. Haftentlassene und andere Randgruppen haben hier einen Ort gefunden, wo sie Gott begegnen können. Ein Nagelstudio in Stuttgart unter der Leitung einer Diakonin bot nicht nur Maniküre, sondern auch Seelsorge: Die Kundinnen konnten über Fragen und Krisen ihres Lebens sprechen, ihr Herz ausschütten und auf Wunsch auch Unterstützung im Gebet erhalten. Davon machten sie reichlich Gebrauch. Eine Kirche würden sie dagegen nie besuchen. Eine freikirchliche Gemeinde in Metzingen hat ihre Kirche in eine Kletterhalle umgestaltet. Jährlich kommen 15.000 Menschen hierher, um gegen eine freiwillige Spende Klettern und Abseilen zu üben. Gottesdienste feiert man seitdem in einem Gasthaus – mit anschließendem Mittagessen.

Die Besucher aus Westfalen waren von den besuchten Projekten und der Leidenschaft beeindruckt, mit der Haupt- und Ehrenamtliche sich dort engagieren. Außer Mitgliedern der Kirchenleitung nahmen einige Superintendenten, Ehrenamtliche aus Gemeinden und Hauptamtliche an der dreitägigen Tour teil. (Pressemitteilung 57/2016)

Mehr erfahren: Ausführliche Berichte zu den einzelnen Projekten erscheinen in den nächsten Tagen im Blog kirche-unterwegs.ekvw.de

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