Unsere archivierten Nachrichten
auf einen Blick
Dortmund in Berlin: Eindrücke aus der Westfalenhalle

Kennse nich? Musse hin!

Auf den Tischen liegen grüne Bierdeckel. »Hömma, schön datte da biss!« steht darauf, oder »Kennse nich? Musse hin!« Im Ruhrpott-Slang werben sie für den Kirchentag 2019 in Dortmund – wie die ganze »Westfalenhalle«, Halle 7.2c der Messe Berlin auf dem Kirchentag.

Buden erinnern an den ruhrgebietstypischen Kiosk, wo man Zeitungen, Getränke, Süßigkeiten und vieles mehr bekommt. Sie stehen – mit der Aufschrift »Glückauf und Halleluja« – an verschiedenen Plätzen in Berlin, zwei davon auch hier in der Halle. An einem Stand, den ein großes Dortmunder U ziert, gibt es Kaffee und andere Getränke. Grüne Liegestühle mit der Aufschrift »Wat is dat schön!« laden zum Entspannen ein. Ständig sind zwischen 50 und 200 Menschen in dieser besonderen Halle. Und auf der Bühne ist immer was los.

Strampeln für Kirsch-Banane-Smoothie

Vor der Bude des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) können Besucher auf einer »Fahrradmaschine« strampeln. Mit der so erzeugten Energie wird ein Kirsch-Banane-Smoothie gemixt, den es anschließend als Lohn für die körperliche Arbeit gibt. Pfarrer Martin Ahlhaus von der MÖWe erklärt, dass das mit Muskelkraft betriebene Gerät aus dem Amazonas-Regenwald in Ecuador stammt. Dort dient es Bauern zu vielerlei Zwecke, etwa für den Antrieb von Maismühlen. Brot für die Welt hat die Entwicklung gefördert, es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der westfälischen MÖWe.

Amt für Jugendarbeit: Geheimwaffel gegen Nazis

Das Amt für Jugendarbeit (AfJ) der westfälischen Landeskirche lockt mit einem Glücksrad-Quiz Besucher an. Dass Dortmund eine bunte Stadt ist, die aber auch mit Problemen zu kämpfen hat, darüber kann man zum Beispiel mit AfJ-Mitarbeiter Leroy Böthel ins Gespräch kommen. Als Bildungsreferent arbeitet er in der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus NRW. »Wir haben ein großes Netzwerk«, erzählt der Soziologe, »eine gute Voraussetzung, um in akuten Krisensituationen zu helfen, aber auch langfristig zu begleiten und zu qualifizieren.« Was tun, wenn man von Nazis bedrängt oder bedroht wird? Klar, dass es keine Patentrezepte für richtiges Verhalten gibt, doch es lässt sich trainieren. Und vielleicht ist ja auch die »Geheimwaffel gegen Nazis«, die am Stand des AfJ verteilt wird, eine Möglichkeit. Auf der Packung der gefüllten Waffel ist zu lesen, dass sie gezogen wird, um eine kritische Situation zu unterbrechen. Die entstandene Verwunderung lässt sich nutzen, um zum Beispiel Öffentlichkeit herzustellen oder die Polizei zu rufen.

Hunderte von wohlklingenden Stimmen

Als der westfälische Landeskirchenmusikdirektor Matthias Nagel und seine Berliner Kollegin Britta Martini zum Offenen Singen einladen, füllen bald Hunderte von wohlklingenden Stimmen den Raum – fast schon konzertreif.

Vertreten ist auch die Evangelische Pop-Akademie Witten, etwa durch den Studenten Stephan Wittekind (19) aus Catrop-Rauxel. Er ist von dem neuen Studium der Kirchenmusik Popular begeistert: »Wir sind darauf eingestellt, dass wir später Kollegen werden – Konkurrenzdenken gibt es nicht.« Sein Kommilitone Patrick Zindorf (20) aus Boppard stimmt ihm zu: »Es macht super viel Spaß. Wir sind wie eine Familie.« Patrick, katholisch, findet es schade, wenn Pop, Rock oder Jazz in der Kirche wegen mangelnder Qualität nicht bei den Menschen ankommt.

»Welche Mauern werden wohl 2019 fallen?«

Das Improtheater »Anne Bude« wechselt sich auf der Bühne ab mit Mitch Schlüter und seiner Band »Sonnendeck«. Superintendent Ulf Schlüter und Oberbürgermeister Ullrich Sierau erklären »ihr Dortmund«. Präses Annette Kurschus erinnert an die bisherigen Dortmunder Kirchentage 1963 und 1991, die jeweils auf einen Kirchentag in Berlin folgten – so auch jetzt. Vor dem Kirchentag 1963 wurde die Berliner Mauer gebaut, vor dem von 1991 ist sie gefallen – »Welche Mauern werden wohl vor 2019 fallen?«, fragt die Präses: »Vielleicht die in unseren Köpfen?« 

Zurück