Unsere archivierten Nachrichten
auf einen Blick
Sechstes Austauschprogramm »Young Ambassadors« im Kirchenkreis Wittgenstein

»Junger Botschafter« ist man für immer

Wenn die Orgel zunächst die deutsche und dann die amerikanische Nationalhymne spielt, kann dem nur ein außergewöhnlicher Gottesdienst folgen. Genauso war es am Freitagabend in der Evangelischen Kirche Erndtebrück: Die Young Ambassadors wurden nach ihrem dreiwöchigen Besuch im Kirchenkreis Wittgenstein wieder verabschiedet.


Wenige Stunden bevor für die Young Ambassadors aus Übersee am Frankfurter Flughafen der Flieger startete, der sie nach Hause bringen sollte, gestalteten die 13 amerikanischen und 14 deutschen Jugendlichen des Austauschprogramms zwischen der United Church of Christ (UCC) in Kentucky und Indiana sowie dem Wittgensteiner Kirchenkreis den Abschlussgottesdienst. Damit ging zum einen der dreiwöchige Besuch der Jungen Botschafter - so die Übersetzung von Young Ambassadors - aus den USA hier zu Ende, zum anderen auch das insgesamt zweijährige Austauschprogramm. In Zeiten, da die Gesellschaft, viele Länder und vielleicht sogar die ganze Welt unversöhnlich auseinander zu driften scheint, hatten die jungen Leute ihren Gottesdienst mit »Unity - Einheit« überschrieben. Genau das war ihre Erfahrung der vergangenen beiden Jahre.

Dabei hat natürlich der christliche Glaube als gemeinsames Fundament den Protestanten geholfen, aber reibungslos war das Zusammenwachsen dennoch nicht. Denn Menschen sind unterschiedlich. Dabei laufen die Risse manchmal entlang nationaler Grenzen, aber längst nicht immer. Amerikaner und Wittgensteiner sind auch innerhalb ihrer Gruppen nochmal sehr verschieden. Das machte die Dinge auch für die Young Ambassadors kompliziert und anstrengend, aber sie ließen sich auf diese Arbeit mit viel Reden und Ehrlichkeit ein. Und unterwegs erkannten die Jugendlichen einen wichtigen Unterschied: Einheit und Einheitlichkeit sind zwei Paar Schuhe.

Deshalb hatte die Predigt das Thema »Unity out of Diversity - Einheit aus der Vielfalt«. Sehr persönlich gingen einige Young Ambassadors auf eigene Erfahrungen ein, außerdem konnte man hören, wer besonders tollpatschig war und wer morgens besonders lange im Bad brauchte. Aber wichtiger war, dass diese Schwächen nie die ausschließlichen Eigenschaften waren, alle hatten auch ihre Stärken. Und all die verschiedenen Qualitäten der unterschiedlichen Menschen lassen, wenn man erst nachdenkt und dann gut zusammenarbeitet, eine Gruppe das beste Resultat erzielen. Und wer nicht zuhören wollte, der bekam diese Botschaft auch noch in einem kurzen, klugen und vor allem witzigen Anspiel präsentiert. Fröhlicher Glaube, der ansteckend wirkte. Alle trugen auf ihre Art ihre Scherflein zum Gelingen des Gottesdienstes bei, wenn auch nur einer gefehlt hätte, wäre der Gottesdienst anders abgelaufen. Wahrscheinlich schlechter.

Die Mannschaft war der Star - und anders als bei Fußball-Nationalmannschaften hat dieses Leitmotiv bei den Young Ambassadors kein Verfalldatum. Denn Junger Botschafter ist man für immer. Obwohl die Wittgensteiner Teilnehmer der fünf vorhergehenden Generationen inzwischen in Deutschland oder sogar im Ausland verstreut leben, waren einige der früheren Young Ambassadors in der Erndtebrücker Kirche. Zum abschließenden irischen Segenslied »May the Road Rise Up to Meet You« bildeten Botschafter aller Generationen ihren traditionellen Abschlusskreis mit der Schlusszeile, die auf Deutsch so heißt: »Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.«

Alle wussten, dass sie sich in dieser Zusammensetzung auf Erden wohl nie wieder sehen, so war das die letzte Gelegenheit zum Dank-Sagen. Die Young Ambassadors bedankten sich bei ihren jeweils zwei Betreuern, ausdrücklich gedankt wurde außerdem den Gastgeber-Eltern. Fehlen noch zwei Informationen. Erstens: Die Kollekte betrug etwas über 280 Euro, sie ist bestimmt für die Flüchtlingsarbeit in Bad Berleburg, wo die Young Ambassadors vor drei Wochen mit Flüchtlingen gekocht, gegessen und Fußball gespielt hatten. Zweitens: In englischsprachigen Ländern kann es einem wirklich passieren, dass man Haydns Melodie der deutschen Nationalhymne in der Kirche hört, hier gibt es mindestens drei verschiedene Kirchenlieder-Texte dafür.

Zurück