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Neues Buch: Gesamtschau zur Reformation in Westfalen

In Westfalen hat es etwas länger gedauert

Obwohl berühmte Reformatoren wie Luther, Calvin und Melanchthon nie nach Westfalen gekommen sind, hat es in der Region nach einer neuen Studie intensive Reformaktivitäten gegeben. Der Münsteraner Historiker Prof. Dr. Werner Freitag hat jüngst die erste historische Gesamtschau zur Reformation in Westfalen seit 25 Jahren vorgelegt.

»Wie in vielen Gebieten des Alten Reiches ging es auch in Westfalen vor rund 500 Jahren den einen darum, religiöse Umwälzungen durchzusetzen, den anderen, sie zu verhindern. Das Ergebnis war eine ungewöhnlich hohe Zahl an konfessionellen Ausprägungen und Mischformen«, sagt Werner Freitag vom Exzellenzcluster »Religion und Politik« der Uni Münster.

»Wenn 2017 bundesweit der Reformation vor 500 Jahren gedacht wird, können wir das auch hier tun. Genau genommen, dauerte es in Westfalen aber länger, bis Luthers Schriften wirkten. Sie mussten erst in die westfälische Variante des Niederdeutschen übersetzt werden, um von den Westfalen verstanden zu werden.« Die religiösen Umwälzungen, die folgten, hinterließen die Region als einen so kleinteiligen politischen und religiösen Flickenteppich, wie ihn wenige andere Regionen zeigten.

In dem im Aschendorff Verlag erschienenen Buch »Reformation in Westfalen. Regionale Vielfalt, Bekenntniskonflikt und Koexistenz«, beschreibt der Historiker auch, warum das Denken der mitteldeutschen Reformatoren in Westfalen Verbreitung finden konnte, obwohl auch etwa Bucer oder Zwingli nie persönlich kamen.

Freitag rekonstruiert die Vorgänge der »verspäteten Reformation« in vielen regionalen Einzeldarstellungen. Details zu jedem Ort sind mittels eines Registers zu finden, für Historiker ebenso wie für Interessierte aus der Region, ergänzt durch Glossar und Kartenmaterial. Historische Quellen zitiert das Buch im westfälischen Plattdeutsch, sie werden aber auch ins heutige Hochdeutsch übersetzt.

Wie überall wurden auch in Westfalen die Lehren der Reformatoren mit Zitaten aus der Bibel begründet. »Dieser Bezug auf das Wort Gottes wurde in der Bevölkerung breit rezipiert«, unterstreicht Werner Freitag. Die Reformation in Westfalen sei weniger von Einzelpersönlichkeiten getragen gewesen, als von einer Vielzahl an Menschen, die Veränderungen in der religiösen Praxis und Seelsorge wünschten.

Das 383 Seiten starke Buch ist im Aschendorff Verlag erschienen und kostet 29,80 €.

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