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auf einen Blick
Erstes Frauenmahl in Letmathe - Barrierefreiheit auf allen Ebenen

Ich habe genug…

LETHMATE - Am vergangenen Freitag begrüßte Superintendentin Martina Espelöer 130 Frauen in der festlich gestalteten Friedenskirche in Letmathe. Viele der Teilnehmerinnen hatten schon von der erfolgreichen Veranstaltungsform »Frauenmahl« gehört oder gelesen und wollten nun die Gelegenheit nutzen, selbst einmal dabei zu sein. Das Thema des Frauenmahls lautete: »Ich habe genug…«. Vier Rednerinnen aus Politik, Gesellschaft, Kirche und Kunst waren eingeladen, die unterschiedlichen Facetten des Themas gedanklich zu entfalten.

»Es war das zweite Frauenmahl im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn, aber das erste in Letmathe!«, freute sich Veranstalterin Pfarrerin Ruth Hansen, Frauenreferentin im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn. Sie hatte, zusammen mit einem breiten Frauen-Bündnis, das Frauenmahl 17. April organisiert.

Im ersten Beitrag des Abends ging es um Inkusion: Marianne Metta, Autorin des Buches »Glasknochen sucht Therapiehund«, machte deutlich, dass Inklusion im Kopf beginnen muss. Sie plädierte dafür, Stigmatisierungen, wie z. B. das Wort »Behinderung« aufzugeben und stattdessen Inklusion für alle Menschen zu ermöglichen. (Aufgrund einer Erkrankung konnte sie leider nicht persönlich anwesend sein, so dass ihre Rede verlesen wurde.)

Als zweite Rednerin war Dagmar Freitag eingeladen. Die Politikerin und Mitglied des Deutschen Bundestages sprach zu dem Aspekt »Habe ich genug Einfluss? Politik zwischen Macht und Ohnmacht«. Als Politikerin verfüge sie über die Macht des Wortes, mit dem sie versuche, andere von einer solidarischen Gesellschaft zu überzeugen.  Hin und wieder wünsche sie sich mehr Einfluss und Macht, wenn sie z. B. von den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer höre oder von der unvorstellbaren Gewalt durch islamistische Terrorgruppen.

Die engagierteste Rednerin des Letmather Frauenmahls war die 78-jährige Sr. Lea Ackermann, Gründerin und Vorsitzende des Vereins SOLWODI- Solidarität mit Frauen in Not. Sie plädierte in einer flammenden Rede, geprägt von ihren bedrückenden Erfahrungen einer Keniareise, für die Abschaffung der Prostitution in Deutschland, die globalen Frauenhandel fördere und die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft weiterhin festige.

Einen clownesken Abschluss inszenierte Gisela Matthiae, Clownin und Theologin. In ihrer Rolle als Adele Seibold lehnte sie sich entschieden gegen das derzeitige gesellschaftliche Frauenbild, der immer fitten, sportlichen, fröhlichen Frau, die jede Herausforderung mit Leichtigkeit meistert und nie gut genug sein könne.

Die teilnehmenden Frauen kamen während des mehrgängigen, vegetarischen Buffets miteinander ins Gespräch und diskutierten u.a. über eigene Erfahrungen mit Inklusion z. B. an Schulen und den Möglichkeiten des eigenen politischen Engagements. Musikalisch gerahmt wurde der Abend durch Querflöten- und Klaviermusik des Frauentrios »Schöne Töne«.

Zu teuer?

35€ kostete eine Karte für das Frauenmahl, inklusive 4-Stunden Programm, Speisen und Getränke.
»Wir wissen, das können sich nicht alle leisten.«, so Beate Jarzombek von der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie Mark Ruhr. Deshalb haben die Organisatorinnen in der Einladung zum Frauenmahl auf die Möglichkeit hingewiesen, eine Patinnenschaft zu übernehmen und so einer anderen Frau, eine Karte zu finanzieren. Zudem gab es ermäßigte Karten für Geringverdienderinnen. »Barrierefreiheit muss auf verschiedenen Ebenen stattfinden«, so Beate Jarzombek, »das fängt bei Vergünstigungen im Eintrittspreis an, geht aber weiter in der Verwendung leichter Sprache bis hin zu einer Atmosphäre des Willkommen- und Angenommenseins.«

Und genau das haben die Organisatorinnen sich zum Ziel gesetzt. So wurden die Reden der Tischrednerinnen im Vorfeld in leichte Sprache übersetzt und per Beamer projiziert. So konnten u.a. auch die 15 Frauen aus dem Umfeld der Beratungsstelle der Netzwerk Diakonie den Inhalten der Reden barrierefrei folgen. »Wir haben bei der Vorbereitung des barrierefreien Frauenmahls nach neuen Wegen der gerechten Teilhabe gesucht, so dass am Ende alle genug haben«, so Christiane Dietz, Dekanatsreferentin für Jugend und Familie im Dekanat Märkisches Sauerland und eine der Moderatorinnen des Abends.

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