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auf einen Blick
Evangelische Kirche von Westfalen: Klingendes Kulturerbe stärker ins Bewusstsein rücken

Hörst du nicht die Glocken?

»Hörst du nicht die Glocken?« Mit dieser Frage aus einem bekannten Lied macht die Evangelische Kirche von Westfalen auf die Bedeutung des Glockenläutens aufmerksam. Die Glocke als klingendes Kulturerbe soll stärker in das öffentliche Bewusstsein kommen.

In der Adventszeit sind jetzt entsprechende Informationen an alle 494 Kirchengemeinden sowie die Berufsverbände für Kirchenmusik und Küsterdienst verschickt worden. Weit über 2.000 Glocken, davon viele hundert historisch wertvoll, läuten regelmäßig in den evangelischen Kirchen Westfalens. »Sonntags rufen unsere Glocken die Gemeinde zum Gottesdienst, zur Begegnung mit Gott. Aber der Gottesdienst ist nicht auf den Sonntagmorgen beschränkt, wir können an jedem Tag und zu jeder Stunde Gott dienen«, erklärt Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).
»Glocken begleiten uns durch den Tag. Ihr Verkünden von Zeit und Stunde erinnert uns an die Ewigkeit und an die Zuwendung Gottes zur ganzen Welt.«

Glocken-Kampagne will Impulse geben

Wann soll geläutet werden und wann nicht? Wie lange? Was ist beim vollen Geläut zu Gottesdiensten und anderen Anlässen zu beachten? Auf solche Fragen antwortet eine Broschüre der EKvW. Der Gebrauch der Glocken hat sich in einzelnen Kulturlandschaften unterschiedlich entwickelt. Regionale Läutesitten sollen auch in Deutschland weiter mit Leben gefüllt werden. Mancherorts braucht die Läutepraxis aber auch einen neuen Impuls, um auch künftig positiv wahrgenommen und akzeptiert zu werden.

Die Glocken-Kampagne will solche Impulse geben. Glockengeläut ist Kirchenmusik – wie Chorgesang, Orgelspiel oder Posaunenchor. Davon ist Dr. Claus Peter fest überzeugt. Seit 1988 ist er als Glockensachverständiger der EKvW unterwegs. Er berät Gemeinden in allen Fragen des Geläuts, inspiziert die bronzenen Klangkörper, beurteilt ihren Zustand, macht sachkundige Vorschläge zum Erhalt wertvoller alter Glocken.

Gebetsläuten gibt dem Tag Struktur

Das sogenannte Gebetsläuten »gibt dem Tag eine Struktur, regelmäßiges kurzes Innehalten bringt ins Bewusstsein: Es ist gut, sich im Getriebe des Tages immer wieder zu besinnen.« Gerade in einer zunehmend multireligiösen und pluralistischen Gesellschaft, findet Claus Peter, »macht das Geläut der Glocken die Präsenz der Kirche deutlich und erinnert an das, was sie uns zu sagen hat.« Übrigens bestätigt eine aktuelle Erkenntnis der Medizin und Psychologie: Burnout oder anderen Stressfolgen kann durch die Rhythmisierung des Tages vorgebeugt werden.

Im Jahr 2018 soll die Kampagne ergänzt werden durch die Einladung an junge Menschen, unter Anleitung Glocken in ihrer Nachbarschaft zu erforschen und in Fotos und Tonaufnahmen zu dokumentieren. Aus diesen Daten entsteht unter www.gebetsläuten.de eine digitale Landkarte, von der Informationen, Bilder und Klänge online abrufbar sind. Ziel ist die Entwicklung einer nationalen klingenden Glockendatenbank. (Pressemitteilung 98/2017)

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