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auf einen Blick
WDR nimmt Choräle mit dem Gütersloher Bachchor in der Landesmusikakademie Heek-Nienborg auf

Hochkonzentrierte Teamarbeit

»Können wir?«, fragte Chorleiter Sigmund Bothmann. »Wir können«, lautete die kurze, prägnante Antwort von Tonmeister Stephan Schmidt, der sich per Lautsprecher im Probensaal der Landesmusikakademie Heek-Nienborg zu Wort meldete.

Nach dem Gesang lauschten die Akteure gespannt auf den Kommentar des Tonmeisters. »Das war gut. Zuletzt war ein kleiner Schlenker, bitte noch einmal.« Nachdem die letzten beiden Zeilen noch einmal gesungen wurden, kam die positive Nachricht aus dem Lautsprecher: »Das war super, frisch und gut.« Das erlöste Strahlen aller Beteiligten im Saal sprach Bände.

Es war nicht das erste Mal, dass der Bachchor Gütersloh unter der Leitung von Bothmann aus Ostwestfalen anreiste, um in der nordrheinwestfälischen Landesmusikakademie zu singen. Dieses Mal lockte die 36 Sängerinnen und Sänger nicht nur der besondere Ort, sondern ebenso der Ü-Wagen des WDR, der die gesungenen Choräle aufnahm, um sie zu den Choralandachten im WDR 3 einspielen zu können.

Die Live-Musik zum Gesang kam von vier Berufsmusikern auf historischen Instrumenten. Andreas Klingel spielte auf einer Violine, die 250 Jahre alt war. Thomas Pauschert brachte den Nachbau einer Renaissance-Orgel zum Klingen. Antje Plieg-Oemig versetzte die Saiten einer Gambe des Jahres 1626 in Schwingung. Eva Kuen hatte gleich mehrere historische Blockflöten mitgebracht.

Landeskirchenmusikdirektor Prof. Ulrich Hirtzbruch hatte dem WDR den Knabenchor Gütersloh und den Bachchor Gütersloh für die Aufnahmen vorgeschlagen. Die Aufnahmen mit dem Knabenchor wurden bereits im Mai 2016 in der Landesmusikakademie gemacht. »Aufnahmen mit unseren Chören machen wir öfter. Aber eine Choral-Produktion ist schon etwas Besonderes. Wir müssen Abwechslung reinbringen durch Variationen in der Artikulation und der Phrasierung«, beschrieb Bothmann die Herausforderung für seinen Chor.

»Ich habe großen Respekt, auf welch hohem Niveau hier gearbeitet wird. Es ist eine hochkonzentrierte Teamarbeit«, lobte Pfarrer Dr. Titus Reinmuth, der als stellvertretender Evangelischer Rundfunkbeauftragter beim WDR die Aufnahmen vermittelt hatte und aufmerksam verfolgte.

Fünf Choräle waren vorher gemeinsam mit der Musikredaktion des Klassiksenders des WDR 3 ausgewählt worden. Die Auswahl passte hervorragend zu den historischen Instrumenten der Musiker und zur Spezialisierung des Chores. »Der Geist des Herrn erfüllt das All« von Melchior Vulpius, »Kind, du bist uns anvertraut« von Johann Sebastian Bach, »Im Frieden Dein« von Samuel Mareschall, »Such, wer da will, ein ander Ziel« von Johann Stobäus und »Meine Seele steigt auf Erden« von Thomas Champion wurden vorher einstudiert.

Wolf-Christian Plieg war einer der strahlenden Chorsänger: »Die besonders hohe Konzentration bei den Aufnahmen ist für mich spannend. Der Tonmeister hat ein unheimlich analytisches Hören.«

Die neunzehnjährige Joke Zawischa gehört zu den jüngeren Mitgliedern. Bereits in der ersten Schulklasse hat sie bei Bothmann in der Choral-Singschule begonnen. »Heute ist eine völlig andere Arbeitsatmosphäre als bei einer normalen Chorprobe. Das macht ganz viel Spaß«, so Zawischa. Ihre Liebe zu alten Gesängen hat sie durch diesen Chor entdeckt. »Genau darum geht es uns. Wir wollen diese Musik weiterleben lassen«, bestätigte Anke Poon-Hebenstreit, Mitglied und Pressesprecherin des Bachchores, das Konzept des Chores, der auch an diesem Tag seine reichen Früchte ernten kann.

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