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auf einen Blick
La Plata-Forum der EKvW mit Gästen aus Südamerika

Heimat in der Fremde – Fremde in der Heimat

Was braucht ein Mensch, um sich zuhause zu fühlen? Welche Rolle spielen Christen und Kirche, wenn Heimat und Fremde zum brennenden Thema in der Gesellschaft werden? Rund 60 Menschen befassten sich beim La Plata-Forum der Evangelischen Kirche von Westfalen am 23. und 24. Juni in der Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Hassel mit dem Thema »Heimat in der Fremde – Fremde in der Heimat«.

Das La Plata Forum ist eine Plattform zu Austausch und Begegnung für alle, die sich der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) verbunden fühlen: Menschen, die einmal am Freiwilligenprogramm teilgenommen haben, in Buenos Aires studiert, ein Vikariat in Argentinien gemacht oder an einer Gemeindefahrt teilgenommen haben, sich in einer Kirchenkreispartnerschaft engagieren, Schüleraustausch organisieren, Freiwillige vom La Plata in ihrem Dienst hier begleiten oder einfach nur Interesse an Land und evangelischem Leben in Argentinien, Paraguay und Uruguay haben, kommen alle zwei Jahre, oft mit Gästen aus der IERP, zum Erfahrungsaustausch zusammen.

Nicht erst seit gestern ein Thema

Nicht erst seit 2015 stehen in Deutschland Flucht und Migration auf der politischen und kirchlichen Agenda. Schon mit den Gastarbeitern, Russlanddeutschen und nach dem Mauerfall stellte sich die Frage, wann Menschen wirklich angekommen sind oder warum sie nicht angenommen werden.

Die Kirche am La Plata geht auf Auswanderer aus dem deutschsprachigen Raum zurück. In mehreren Einwanderungswellen versuchten Menschen, dort Heimat zu finden. Generalsekretärin Sonia Skupch berichtete vom 100 Jahre dauernden Prozess von Inkulturation in den lateinamerikanischen Kontext und von der Bewahrung der eigenen Sprache, Tradition und Werte. Zudem beklagte sie die zunehmende Fremdenfeindlichkeit vor allem gegenüber Armutsmigranten aus den Nachbarländern in ihrem Land. Nicolás Rosenthal, Leiter der Diakoniestiftung, schilderte die politische Stimmung im Land und die vielfältigen Bemühungen seiner Kirche um ein würdiges Leben für die Ausgegrenzten.

Drei jugendliche Freiwillige aus Argentinien und Paraguay und der argentinische Austauschpfarrer Christian Stephan, der für zwei Jahre in Halle (Westfalen) arbeitet, trugen aus eigener Erfahrung Aspekte des Lebens in zwei Heimaten bei. Kirchenrat Dr. Jan-Dirk Döhling stellte die Bibel als Migrationsbuch vor. Sie redet von den ersten bis zu den letzten Seiten von Flucht und Vertreibung, zeigt aber auch welche Kraft zu solidarischem Handeln man gewinnen kann, wenn man die eigene Migrationserfahrung annimmt bzw. überhaupt erst erkennt: »Du sollst den Fremdling in deinem Land nicht unterdrücken oder bedrängen, denn du bist selbst Fremdling gewesen in Ägypten.«

Christan Stephan und Dr. Rolf Heinrich gaben im Abendmahlsgottesdienst mit ihrer Dialogpredigt »Unsere Heimat ist im Himmel« ermutigende Gedanken mit auf den Weg.

Mit der Frage: »Wie geht das praktisch?« klang das Forum aus: Bei einem Rundgang durch den Tagungsort, das Bürgerzentrum Bonni, erfuhren die Teilnehmenden viel über die Stadtteilarbeit in Gelsenkirchens Norden und das Zusammenleben dort mit Menschen aus vielen Kulturen und Religionen.

Eine dankbare Grußadresse richteten die Teilnehmenden an Kirchenrat Gerhard Duncker, der bisher für die Beziehungen zur La Plata-Kirche zuständig war und im Juni in den Ruhestand verabschiedet worden war. (Kirsten Potz)

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