Unsere archivierten Nachrichten
auf einen Blick
Renovierung und Modernisierung nach zehn Jahren abgeschlossen

Haus Villigst – eine unverwechselbare Marke

SCHWERTE/WESTFALEN - Am Beginn stand der Dank an Gott. »Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen«, zitierte Präses Annette Kurschus den 127. Psalm. Als Zeichen des Neubeginns nach einer langen Zeit der Provisorien konnte die Präses am 1. Oktober ein rotes Band durchschneiden: Nach zehn Jahren sich die Bauarbeiten in Haus Villigst abgeschlossen.

2004 hatte die Kirchenleitung eine strategische Entscheidung getroffen: Mit der grundlegenden Renovierung und Modernisierung von Haus Villigst konzentriert sich die Evangelische Kirche von Westfalen auf eine Tagungsstätte. Das bedeutete, sich von Haus Ortlohn (Iserlohn) zu trennen - kein leichter Entschluss und keine einfache Aufgabe. Oberkirchenrat Dr. Arne Kupke: »Inzwischen ist Haus Villigst zu einer unverwechselbaren Marke geworden, die zur Identität unserer Landeskirche gehört. Die Entscheidung war richtig.«

Zwischen 2005 und 2015 wurde Haus Villigst baulich, ästhetisch und technisch zu einer modernen Tagungsstätte in Verbindung mit vier zentralen landeskirchlichen Instituten ausgebaut. An Baukosten sind seit 2005 etwa 15 Millionen Euro entstanden. Die Kosten wurden gedeckt durch Rücklagenentnahmen, Verkäufe anderer Immobilien und Darlehnsaufnahmen.

Beste Voraussetzungen für Arbeit und Tagungsbetrieb

»Unser Ziel war, die Voraussetzungen für eine gute Atmosphäre der Begegnung von Tagungsgästen zu schaffen, ebenso die Arbeitsplätze der hier Beschäftigten aufzuwerten«, erklärt Landeskirchenbaudirektor Reinhard Miermeister: »Dazu konnten wir die Möglichkeiten nutzen, die das Gelände bietet, und auf alle baulichen Reserven zurückgreifen.

Der Park an der Ruhr mit seinen alten Bäumen und die historischen Gebäude bilden jetzt eine Einheit mit neuen baulichen Elementen: beste Voraussetzungen für Arbeit und Tagungsbetrieb.« Alle Arbeiten mussten im laufenden Betrieb vorgenommen werden. Das hat die Beteiligten organisatorisch und logistisch herausgefordert. Es war für den Arbeitsalltag eine Belastung, die mit vereinten Kräften und mit der Aussicht auf ein lohnendes Ziel bewältigt wurde.

Kapelle: Neues geistliches Zentrum

Der erste Bauabschnitt (2005–2007) führte zur denkmalgerechten Renovierung der historischen Bauten rund um den Innenhof. Der neue Empfangsbereich mit seiner gläsernen Außenwand ist für die Ankommenden ein architektonisches Willkommenszeichen. Als neues geistliches Zentrum entstand eine Kapelle, die 2007 eingeweiht wurde. Damit hat die Landeskirche deutlich gemacht: Arbeit und Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen der Zeit, mit gesellschaftlichen Herausforderungen geschehen im Horizont des christlichen Glaubens.

Das alte klösterliche Prinzip »ora et labora« (bete und arbeite) kommt hier in neuer Form zum Tragen. Längst hat sich die Kapelle bewährt – als besonderer Raum, der sich in seiner zurückhaltenden und doch eindringlichen Ästhetik von den anderen Bauten abhebt und gleichzeitig seine Funktion als Ort der Besinnung erfüllt.

420 Jahre alte Eibe in die Architektur einbezogen

Im Mittelpunkt des zweiten Bauabschnitts (2010-2011) stand die Modernisierung des Medienzentrums, mit dem Haus Villigst – neben dem großen Saal – einen zweiten qualifizierten Tagungsschwerpunkt hat. »Beispielhaft für unser bauliches Handeln ist der neue Verbindungsbau zwischen zwei bis dahin freistehenden Gebäuden«, erläutert Architekt Michael Fries vom Landeskirchenamt Bielefeld: »Der neu geschaffene Eingangs- und Erschließungsbereich des Medienzentrums ermöglicht einen barrierefreien Zugang und einen großzügiger Pausenbereich mit hoher Aufenthaltsqualität.« Dazu trägt auch eine 15 Meter hohe Eibe bei, deren Alter erst bei der Planung deutlich geworden ist: 420 Jahre. Der Baum hat die Architekturentwürfe beeinflusst und wird nach seiner Sanierung noch viele weitere Jahre leben.

80 Prozent weniger Kohlendioxid

Der jetzt zu Ende gehende letzte Bauabschnitt (2014-2015) umfasst ein weiteres Gebäude aus den siebziger Jahren, das vor allem das Studienwerk Villigst beherbergt. Es konnte Mitte 2014 wieder in sein Haus einziehen. Modernisierung und energetische Sanierung sind auch Ziel des letzten Teilprojekts: Die Arbeiten am ehemaligen Gästehaus, das seit 1991 vom Amt für Jugendarbeit als Bürogebäude genutzt wird, stehen kurz vor dem Abschluss. Reinhard Miermeister: »Auch hier konnten wir den alten Bestand erhalten und dadurch wertvolle Ressourcen nutzen.«

Den deutlich reduzierten Energieverbrauch bewirken vor allem eine konsequente Dämmung und moderne Gebäudetechnik. Die Baumaßnahme führt zu einer Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 80 Prozent. Dafür gibt es 250.000 Euro Fördermittel des Bundesumweltministeriums. Die Evangelische Kirche von Westfalen hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen in ihrem Wirkungsbereich zwischen 1990 und 2020 um 40 Prozent zu reduzieren – die Sanierung dieses Gebäudes ist ein maßgeblicher Schritt hin zu diesem Ziel.

Zurück