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Weite wirkt-Festival in Halle/Westfalen eröffnet

Gott nicht als Geisel für Ausgrenzungsparolen nehmen

»Ein Festival der weltweiten Wirkung von Gottes Güte« hat Präses Annette Kurschus am Freitagnachmittag (6.5.) in Halle/Westfalen eröffnet. »Weite wirkt« – unter diesem Motto hatte die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) ins Gerry-Weber-Stadion eingeladen. Bis Sonntag gibt es hier ein vielfältiges Programm mit berühmten Künstlern, prominenten Gästen aus Deutschland und aus aller Welt, Musik und Kultur. Eines der zahlreichen Themen: die Flüchtlingssituation. Präses Kurschus begrüßte etwa 500 in Westfalen angekommene Flüchtlinge und über tausend meist ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

»Nichts wäre verlogener, als Gott in Geiselhaft zu nehmen für die eigenen Angst- und Ausgrenzungsparolen – Gott und Christus würden wohl als erste die Flucht ergreifen, wenn wir es so weit kommen ließen«, sagte die leitende Theologin der EKvW vor 2.500 Menschen im Stadion. Zur Reformation vor bald 500 Jahren gehöre auch die Erfahrung, dass sich der Unmenschlichkeit etwas entgegensetzen lasse, dass man Fremdheit aushalten und überwinden könne. Kurschus: »Im Fremden leuchtet das Eigene auf, im Menschen neben mir blickt Gott selbst mich an.«

Auch NRW-Familienministerin Christina Kampmann dankte allen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Sie unterstrich die »herausragende Rolle« der Kirchen: »Sie leben vor, was christliche Nächstenliebe eigentlich bedeutet. Für die Kirchen ist die Eine Welt längst gelebte Wirklichkeit.«

Der Leiter des Programms Mediterranean Hope Paolo Naso warb dafür, humanitäre Korridore auch nach Deutschland einzurichten, wie sie nach Italien bereits bestehen. Die dortigen evangelischen Kirchen ermöglichen besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen eine sichere Passage nach Rom, wo sie dann Asyl beantragen können.

Für Olav Fykse Tveit, den Generalsekretär des Weltkirchenrates in Genf, ist »Sünde« eine Wirklichkeit, gegen die nur Umkehr hilft – Umkehr verstanden als Haltung, Einstellung, als wache Bereitschaft, das Böse beim Namen zu nennen. Diese Umkehr sei für Europa nötig und möglich.

Markus Langer von Evonik Industries berichtete von der Integrationshilfe, die Mitarbeiterinnen seiner Firma ehrenamtlich leisten. »Aus Sicht der Wirtschaft braucht unser Land Vielfalt, um kreative und innovative Potenziale zu aktivieren«, sagte der Manager.

Ein Jahr vor dem 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 weitet sich der Blick über Deutschlandhinaus: »Reformation und die Eine Welt« ist in der evangelischen Kirche das Thema des Jahres 2016. Höhepunkt in Westfalen ist das Festival »Weite wirkt«.

Bildergalerie von Tag 1 des Festivals

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