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Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus: Aktiv für Demokratie und Menschenrechte

Gemeinsam gegen rechts

Gemeinsam gegen rechts – aktiv für Demokratie und Menschenrechte: An diesem Engagement wollen die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus (BAGKR) auch künftig festhalten. Über Konfessions-, Bundesland- und etablierte Parteigrenzen hinweg. Am Freitag (15.4.) wurde in der Evangelischen Tagungsstätte Haus Villigst/Schwerte die 5. bundesweite Ost-West-Konferenz eröffnet. Ihr Motto: »Kirche im ›christlichen Abendland...‹: Positionierungen im Spannungsfeld von neo-konservativen Tendenzen und gesellschaftspolitischem Engagement«.

Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, verwies zunächst auf die in Städten und Gemeinden landeskirchenweit ausgeprägte Willkommenskultur und das unverzichtbare, facettenreiche Engagement der vielen in der Flüchtlingsarbeit ehrenamtlich Engagierten. Doch trotz der guten Kooperation von Kirchen, Politik und Zivilbevölkerung gebe es weiterhin zahlreiche gesellschaftspolitische Herausforderungen, die immer wieder neu klare Positionierungen erforderten. Sowohl gegen rechtsextreme Gewalt als auch zum Beispiel im kritisch-konstruktiven Dialog mit dem Islam. Doch auch innerkirchlich gibt es für Henz noch zahlreiche Baustellen: von den selbst ernannten »Verteidigern des Christentums«, die manchmal auch an Stammtischen zu finden seien, über christlich-exklusive Wahrheitsansprüche bis hin zum sensiblen Thema »Kirchenzucht«. Konkret: der mögliche Ausschluss von Kirchenmitgliedern. Ein Mittel, das kirchenrechtlich zwar möglich, praktisch aber fast nie genutzt wird. Doch im Falle von aggressiven, gewaltbereiten Neonazis, deren menschenverachtendes Handeln und Denken partout nicht mit christlichen Werten vereinbar sei, solle man, so Henz, das Thema »nicht grundsätzlich ausschließen«.

Wenn die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann nach ihrem Bild von Kirche gefragt wird, kommen ihr sofort die solidarische Glockenschlag-Aktion, die Anti-Pegida-Verdunkelungsaktion des Kölner Doms und die zahlreichen interreligiösen Dialoge in den Sinn. Bislang habe die Politik in Krisensituationen noch keinen »Aufstand der Anständigen« initiieren müssen, da sich die Gesellschaft effektiv selbst organisiert habe. Für die nordrhein-westfälische Ministerin für Schule und Weiterbildung liegt der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen Rechtsradikalismus und Rassismus in einer erfolgreichen Bildungspolitik. Ihr Ziel: »Wir müssen Jugendliche zu Toleranz und Respekt erziehen!« Dazu gehörten neben kognitiven Lernprozessen auch ganz konkrete positive Lernerlebnisse für die Schülerinnen und Schüler sowie eine Stärkung der Lehrerfortbildung.

Dr. Eske Wollrad, Geschäftsführerin des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer gGmbH, lenkte den Blick von den Flüchtlingen auf die Helfenden, von den Notleidenden auf die aufgrund ihrer Herkunft und ihres sozialen Status vermeintlich Privilegierten. Denn manchmal sei gut gemeint eben nicht auch gut gemacht. »Wir brauchen Bündnisse, die mehr sind als ein Strohfeuer, und die Bereitschaft aller, sie kritisch zu reflektieren«, so Wollrad. Die Theologin warnte vor wohlwollenden, hoch motivierten Helfenden, die manchmal die wirklichen Bedürfnisse der Hilfesuchenden aus den Augen verlieren würden. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit. Und manchmal auch Gedankenlosigkeit. Darüber hinaus sei auch der christliche Fundamentalismus eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Mit Blick auf die EKD-weite Diskussionen ums Thema Judenmission und das innerkirchlich umstrittene Engagement von AfD-Mitgliedern sagte Wollrad: »Wir haben ein Problem im eigenen Haus!"

Zur BAG Kirche & Rechtsextremismus 

Die BAG K+R ist ein ökumenisches Netzwerk von Projektstellen, Organisationen und Basisinitiativen, die sich mit der Wahrnehmung und präventiven oder interventiven Bearbeitung von  Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) und extrem rechten Orientierungen im Raum der Kirche befassen. Ihr gehören aktuell 38 Mitgliedsorganisationen aus allen Regionen Deutschlands an.
(Pressemitteilung 14/2016)

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