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Münster: Ökumenischer Gottesdienst für verfolgte Christen

Gemeinsam beten für Brüder und Schwestern

MÜNSTER - „Diese Stunde ist eine gute Gelegenheit, eindrücklich ins Bewusstsein zu bringen, dass täglich auch heute noch Menschen wegen des Christen-Namens Verfolgung erleiden.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am 20. September bei einem ökumenischen Bittgottesdienst für verfolgte Christen im Orient und in Nordafrika gesagt. Zu dem Gottesdienst in der Apostelkirche in Münster hatten die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW), das Bistum Münster und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Münster eingeladen.

Zu Beginn erklärte Präses Annette Kurschus (EKvW), Christen sollten sich über jede konfessionelle Grenze hinweg an ihre Schwestern und Brüder erinnern, die in vielen Regionen der Welt leiden müssen. In Beispielen schilderte sie, dass Christen verfolgt, unterdrückt und getötet werden, weil sie an ihrem Glauben festhalten. Dies griff der Bischof in seiner Predigt auf. Er sagte, dass diese Christen in der Nachfolge der Apostel stünden, die sich in den ersten Tagen der Auferstehung zu Jesus bekannt hätten. Bischof Genn: „Angesichts der vielfältigen Verfolgungen kommen wir uns oft genug ohnmächtig und machtlos vor. Deshalb greifen wir zu jener Macht, die uns Gott selbst in die Hand gegeben hat, das fürbittende Gebet, das uns als Kinder Gottes gemeinsam die Möglichkeit gibt, nicht nur mit Worten, sondern mit unserem ganzen Fühlen, Denken und Sinnen einzutreten für die Schwestern und Brüder, damit sie Hilfe erfahren, vor allem aber nicht verzagen und ihrem Glauben treu bleiben können.“
Die Tatsache, dass auch heute noch Christen wegen ihres Glaubens verfolgt würden, sei „erschreckend furchtbar“, sagte der Bischof weiter. Das gelte etwa für die Christen im Heiligen Land. „Wenn wir uns dessen bewusst werden, werden wir zugleich herausgefordert, ausdrücklich für die Achtung der Religionsfreiheit in allen Ländern der Erde einzutreten“, betonte Genn. Diese sei nicht einfach nur ein Erfordernis der westlichen Zivilisation und Kultur, sondern „ein unveräußerliches Recht jedes Menschen“, zitierte er Papst Franziskus. Er warb dafür, dem Gebet den ersten Platz zu geben. Daraus solle man politisch handeln und die politisch Verantwortlichen intensiv um ihren Einsatz bitten, dass die Gewalt aufhöre und der Rechtsstaat, wo er nicht vorhanden sei, wiederhergestellt werde.

Zwar müssten die Christen in Deutschland weder Folter noch Gefängnis fürchten, doch auch hier seien Christen, die ihren Glauben öffentlich lebten, Spott und zynischen Bemerkungen ausgesetzt. Diese könnten zu seelischen Verletzungen führen. „Nehmen wir es auf uns, weil wir von Christus nicht lassen können?“ fragte der Bischof. Er machte deutlich, dass das Leid auch zu einer tiefen Gemeinschaft mit Jesus Christus führen könne. „In der Gemeinschaft mit ihm und in der Beziehung zu ihm können selbst Leiden und Verfolgung zu Momenten seiner Nachfolge werden“, sagte Bischof Genn. Er erinnerte daran, dass auch Jesus selbst sich dem Leid nicht entzogen habe. Allerdings sei das Leiden nicht das Endstadium, „denn in der Gemeinschaft mit ihm wird es überstrahlt von einer unerschütterlichen und festen Hoffnung“.

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