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auf einen Blick
Bochum: Lesung und Konzert zum Tag der Befreiung von Auschwitz / Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Holocaust

Gegen antisemitischen Hass

Ein ungeheuerlicher Gedanke: dass es möglich sei, alle Juden dieser Welt zu ermorden, alle Roma, alle Sinti. Und doch ist es nur ein Menschenleben her, dass dies gedacht wurde und beredet und ins Werk gesetzt: Der deutsche Name einer kleinen Stadt in Europa - Auschwitz - zeigt an, dass möglich werden kann, was undenkbar scheint.

Erinnern an den »Tag der Befreiung«

Möglich aber auch, dem entgegen zu treten: Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit, allein hier sind mehr als 1 Million Menschen ermordet worden. Der Tag der Befreiung steht heute stellvertretend für die Befreiung von Tausenden Lagern, Ghettos und Folterkellern, es gab sie überall in Europa.

In der Christuskirche Bochum wird traditionell seit vielen Jahren mit Musik und Kultur an den »Tag der Befreiung« erinnert:  In diesem Jahr sind es Bochumer Musikerinnen und Musiker, Kabarettistin, Schauspieler und der Bochumer Superintendent Gerald Hagmann, die mit Konzert und Lesungen deutlich machen, dass die einzelne Stimme die öffentliche Stimmung prägt.

»Das habe ich mir nicht vorstellen können…«

Denn auch heute bricht überall in Europa der Hass neu auf. Der Hass auf Juden, auf Sinti und Roma, auf alle, deren »Existenzrecht« auch mal in Frage gestellt wird, so wie man es mit dem der Israelis seit langem tut. Die öffentliche Stimmung verändert sich.
Ende letzten Jahres hatte die Jüdische Gemeinde Bochum ihren Mitgliedern geraten, auf den Straßen der Stadt keine Kippa mehr zu tragen.

»Das habe ich mir nicht vorstellen können, dass es in meiner Stadt dahin kommt«, sagt dazu der weltweit erfolgreiche Swing-Pianist Chris Hopkins: »Wenn wir das akzeptieren würden, gäben wir uns selber auf.«

Deshalb ist er, ebenso wie die Kabarettistin und Künstlerin Esther Münch, das ArtTone Trio der Bochumer Symphoniker und Thomas Anzenhofer vom Schauspielhaus Bochum, spontan der Einladung der Christuskirche Bochum gefolgt, den Tag der Befreiung mit zu gestalten.

Gedenken an ermordete Juden

Thomas Anzenhofer wird Textpassagen lesen in dem Set, das Chris Hopkins mit seinem Gypsy Swing Trio spielt. Zuvor werden - vom ArtTone Trio gerahmt, das Werke verfemter Komponisten spielt - die Namen der Bochumer verlesen, die, weil sie Juden waren, in den Lagern der Nazis ermordet worden sind. Lesen werden die Namen Gerald Hagmann, Superintendent der Evangelischen Kirche in Bochum, Esther Münch und - als ein deutliches Signal in die Stadtgesellschaft hinein – der Oberbürgermeister der Stadt, Thomas Eiskirch.

Das Konzert und die Lesung zum Tag der Befreiung von Auschwitz - dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft - finden in diesem Jahr am 28. Januar statt, weil der 27. auf einen Sabbat fällt.

Weitere Gedenkveranstaltungen

In zahlreichen Städten stehen weitere Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Holocaust auf dem Programm. Für den Bereich der westfälischen Landeskirche seien hier in Auswahl seien genannt:

Im Theater der Stadt Münster lesen am Holocaust-Gedenktag um 19.30 Uhr Carola von Seckendorff und Wilhelm Schlotterer aus dem Roman »Die Tänzerin von Auschwitz« von Paul Glaser. Während eines Besuchs im Vernichtungslager Auschwitz entdeckte Glaser einen Koffer, beschriftet mit seinem Familiennamen. Seine Recherche führte zur Entdeckung der Überlebensgeschichte seiner Tante Rosie, einer Tanzlehrerin aus Amsterdam.

Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund erinnert am Sonntag um 11 Uhr an die Deportation von Juden aus der Revierstadt vor 75 Jahren. Unter ihnen war auch der damalige deutsche Fußballnationalspieler Julius Hirsch. Den Festvortrag hält Moshe Zimmermann von der Hebräischen Universität Jerusalem über »Das judenfreie Europa mit einem judenfreien Sport - Fußball und Endlösung«.
In Dülmen steht am 29. Januar um 19 Uhr im Forum »Alte Sparkasse« ein Vortrag über das Leben deutschsprachiger Autorinnen während ihrer Verfolgung durch das NS-Regime im Mittelpunkt.

Zu einem Schoah-Gedenkgottesdienst wird am Sonntag, 28. Januar um 18 Uhr in die Bodelschwinghkirche Bielefeld eingeladen. Der Gottesdienst wird von Pfarrer Andreas Smidt-Schellong, Kirchenleitungsmitglied Christa Kronshage und Heilwig Fischbach gestaltet. Das Duo Doppelpunkt mit Ulrike Liebe-Wilmsmeyer (Saxophon) und Brigitte Hahnhäuser (Klavier) sorgt für den musikalischen Rahmen.

Holocaust-Gedenktag

Der 27. Januar ist seit 1996 der nationale und seit 2005 der internationale Holocaust-Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Ermordungen in Europa und für die Widerstandskämpfer. (Christuskirche Bochum, mit Material von epd)

 

Bildnachweis:
Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, nach der Befreiung 1945: Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

 

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