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auf einen Blick
Wie christliche Gemeinden Asylbewerber willkommen heißen können

Für eine Willkommenskultur

SIEGEN - »Wie können christliche Gemeinden Asylbewerber willkommen heißen?« So lautete das Thema, zu dem der Synodale Ausschuss für Gemeindeentwicklung »Gemeinsam unterwegs« im Kirchenkreis Siegen eingeladen hatte. Dabei herausgekommen ist ein Abend mit vielen Tipps und Erfahrungen aus der Praxis.

»Wir wollen Antworten der christlichen Gemeinde finden auf die Herausforderung der vielen Menschen, die bei uns Zuflucht suchen. Wir wollen andere Antworten geben als: Das christliche Abendland ist bedroht«, sagte Heike Dreisbach, Referentin für Erwachsenenbildung des Evangelischen Kirchenkreises Siegen.

Teddybären, Kleidung und Bibeln

Hans-Peter Ginsberg berichtete über die Anfänge der Flüchtlingsarbeit in Burbach, um die er sich seit eineinhalb Jahren kümmert. Teddybären wurden für die Kinder gekauft und verteilt, Schuhe und Kleidung und Bibeln kamen hinzu. Er erzählte auch von den Problemen, die entstanden, weil zu viele Menschen in den Unterkünften untergebracht worden seien.

Aktuell leben etwa 400 Flüchtlinge in den Heimen, in Spitzenzeiten seien es bis zu 800 gewesen. Ab Mai dieses Jahres werde sich die Situation erneut ändern. Dann werde in Burbach ein Erstaufnahmelager eingerichtet mit den entsprechenden Behördeneinrichtungen.

Mit dem Bus oder zu Fuß geflüchtet

Die Menschen in Burbach kämen beispielsweise aus dem Balkan, Nigeria, Eritrea, Irak, Iran, China, Afghanistan, dem Tibet, Georgien, Marokko, Algerien oder Ägypten. Er habe Familien aus dem Balkan kennen gelernt, die mit dem Bus und zu Fuß geflüchtet seien. Ihre Kinder hätten sie hunderte von Kilometern getragen.

Es sei kein Problem, mit den Menschen über Gott zu sprechen. Zur Allianzgebetswoche seien in diesem Jahr auch Muslime gekommen. Die Flüchtlinge hätten auf diese Weise Menschen kennen gelernten, die für sie beteten. Während des Abendessens werde zu den Gottesdiensten und Andachten im Flüchtlingsheim oder in der evangelischen Kirche in Burbach eingeladen.

Weihnachtsfeier mit Christen und Muslimen

Bewegend und überzeugend erzählte er von den Weihnachtsfeiern mit Christen und Muslimen. Es sei für ihn ein Erlebnis gewesen, eine Weihnachtsfeier mit sechshundert Flüchtlingen und Posaunenchor und vielen Übersetzern zu erleben.

Frauen mit kleinen Kindern erführen in den Unterkünften erstmals das Gefühl der Sicherheit. Mütter könnten sich entspannen, wenn ihre Kinder betreut würden. Christen aus den Gottesdiensten und Andachten lernten sich kennen, gingen aufeinander zu und erlebten Gemeinschaft. Es wurde die Aktion »Jedem Christen eine Bibel« ins Leben gerufen. Hunderte von Bibeln habe man verteilt.

Die kritischen Töne werden leiser

Ginsbergs Fazit:  »Wir müssen Menschen anders aufnehmen, als sie in Deutschland aufgenommen worden sind.« Die Arbeit in Burbach mit den Flüchtlingen trage auch in der Bevölkerung Früchte. Die kritischen Töne seien leiser geworden.

Ortspfarrer Jochen Wahl berichtete über eine veränderte Gottesdienstkultur, die auch die evangelische Gemeinde in Burbach verändert habe. Zwischen 15 und 50 Flüchtlinge aus den Unterkünften nähmen an den Gottesdiensten teil, Christen wie Muslime. Es erfolgt eine Übersetzung ins Englische. Selbst ältere, eher reservierte Menschen laden Flüchtlinge zum Mittagessen ein. Es entstehen Begegnungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen.

Sprachunterricht und Begrüßungsteams

Christoph Reifenberger (Büschergrund) erzählte, wie das christlich motivierte Netzwerk  Flüchtlingshilfe in Freudenberg entstanden ist und was es leistet. Die Möglichkeiten der Kommunen seien begrenzt. Daher sei man froh gewesen, als 50 Menschen ihre Hilfe zugesagt hätten.

Sechs pensionierte Lehrer hätten sich bereit erklärt, Sprachunterricht zu geben. Fünf Begrüßungsteams kümmern sich in den fünf Unterkünften um ankommende Flüchtlinge. Sie stellen die menschlichen Kontakte her und fragen, was benötig wird. Man habe für die 75 Flüchtlinge Fahrräder besorgt, mit denen sie ihre Einkäufe erledigen könnten. Reifenberger: »Ziel des Netzwerkes ist es, den Flüchtlingen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Dabei sind persönliche Beziehungen wichtig. Nicht selten wird gefragt, warum die ehrenamtlichen Helfenden diese Arbeit leisten.«

Räume der Begegnung schaffen

Eine Willkommenskultur ist der Sozialarbeiterin Dorothee Kahm wichtig. Sie berät Flüchtlinge bei der Integrationsagentur der Diakonie in Südwestfalen. Sie plädiert für Räume der Begegnung, dafür, dass Menschen offen sind und freundlich aufeinander zugehen. Kahm: »Dazu muss man Interesse an Menschen haben und sich auf Menschen einlassen. Wenn man allen Befürchtungen und Ängsten nachgibt, dann passiert nichts.«

In vier Arbeitsgruppen wurde vertieft, wie Gemeinden sich engagieren können und wie man speziell christliche Flüchtlinge begleiten kann. Aber auch das Asylrecht und das Organisieren von Sprachkursen wurden angesprochen. Christoph Reifenberger in einer der Arbeitsgruppen: »Man kann nur etwas falsch machen, wenn man nichts macht.« (kp)

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