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auf einen Blick
Evangelischer Kirchenkreis Hattingen-Witten: 50 Flüchtlinge wohnen in der Kirche

Feldbetten stehen im Altarraum

HATTINGEN - Es ist ihnen schwer zu vermitteln, den 50 Menschen aus Syrien, dem Irak und den Kurden, warum sie noch immer nicht am Ende ihrer Reise angelangt sind. Die Wochen und Monate auf der Flucht, in Auffanglagern und in Notunterkünften liegen hinter ihnen, der Antrag auf Asyl läuft - doch am Ziel sind sie noch nicht. Aber immerhin an einem Zwischenstopp, der ihnen von den freundlichen Mitgliedern der Evangelischen Kirchengemeinde Winz-Baak so angenehm wie möglich gemacht wird. Seit dem Martinstag (11. November) stehen Feldbetten in der Hattinger Kirche. Ein weiteres Zuhause auf Zeit für die Flüchtlinge - und eine neue Erfahrung für die Gemeinde.

Es fehlt ein Kinderbett. Der Dolmetscher, der arabisch spricht, hatte nur ein paar Stunden Zeit. Und so ganz nebenbei findet auf dem Gelände der Evangelischen Kirchengemeinde Winz-Baak heute ja auch noch der Martinsumzug statt - etwa 300 Eltern und Kinder stehen um das Lagerfeuer auf dem Hof, während sich drin in der Kirche die Flüchtlinge auf eine weitere neue Umgebung einstellen.

Am Montag bekam die Gemeinde einen Anruf der städtischen Sozialdezernentin, Beate Schiffer. Für 50 Personen, Familien mit Kindern, würde händeringend Raum gesucht, bis andere Unterbringungen  zur Verfügung stünden. Das Leitungsgremium der Gemeinde stimmte nach intensiver Beratung noch am selben Tag einstimmig ab - und ermöglichte so einen offenbar NRW-weit bislang einmaligen Vorgang: Die Unterbringung von Menschen in einer Kirche, die weiterhin als Gotteshaus dient.

Kirchenbänke und Altar wurden beherzt an den Rand der schlicht-eleganten, weißen Kirche geräumt; die Feldbetten stehen so, dass jede Familie einen kleinen Bereich für sich hat. Auch im angrenzenden Gemeinderaum finden noch Menschen Platz. Ein Caterer versorgt die Gäste mit Essen und Trinken; und schon während des Einzugs standen die ersten Spender vor der Tür, die mit Kinderkleidung und Spielzeug helfen wollen.

»Für die nächsten Tage richten wir uns darauf ein, ein wenig Orientierung und Betreuung  anzubieten«, so Pfarrer Bodo Steinhauer. Der Gottesdienst vom kommenden Sonntag muss nicht abgesagt werden – die Teilnahme am Friedensgebet mit sechs Religionen findet, wie schon lange geplant, im Foyer der Realschule Grünstraße statt. Die Verlegung des Gottesdienstes an andere Orte, etwa ins Gemeindehaus, ist in Winz-Baak kein Tabu; und auch die katholischen Nachbarn haben schon ihre Kirche als Predigtstätte angeboten.
Wie lange dieses Provisorium halten muss – das weiß momentan keiner. In Winz-Baak machen sie das Beste aus der Situation. Bodo Steinhauer nimmt es gelassen: »Für unsere Gäste ist die Ungewissheit doch viel schlimmer als für uns.« (Nicole Schneidmüller-Gaiser)

Informationen:
Nicole Schneidmüller-Gaiser, Öffentlichkeitsreferentin Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten, Tel. 02302/589-199; mobil 0172 / 765 63 11; E-Mail

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