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Westfälische Kirche kritisiert Turbokapitalismus

Faire Löhne zur Armutsbekämpfung gefordert

WERTHER - Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, hat zu mehr Engagement gegen Armut aufgerufen. Nötig seien eine Zügelung des Turbokapitalismus, ein faires Lohnniveau und eine Umverteilung der familienpolitischen Leistungen, sagte der Theologe am Montag in Werther im Kreis Gütersloh.

Viele Menschen könnten heute trotz einer Vollzeitstelle kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten. Wenn Unternehmen massiv Stellen abbauten und Lohndumping betrieben, um den Gewinn zu erhöhen, schadeten sie letztlich sich selbst und den Aktionären, sagte Henz.

An die Kirchengemeinden appellierte Henz in einem Vortrag über soziale Gerechtigkeit, das Thema Armut in Gottesdiensten, Konfirmandenunterricht und Gemeindegruppen zu behandeln. Christen sollten sensibel für Armut in der Nachbarschaft sein. Kirche und Diakonie könnten Tafeln, Kleiderkammern und alternative Möbelmärkte stärker anbieten, sagte der Theologe.

Henz würdigte zugleich das Engagement vieler Kirchengemeinden. So biete eine Dortmunder Gemeinde eine kostenlose Sozialberatung an. Die Kirchengemeinde Eidinghausen-Dehme betreibe in einem Familienzentrum einen kleinen Laden, der gebrauchte Kinder- und Schwangerschaftskleidung sowie Babyzubehör anbietet.

Gegen die zunehmende Armut gebe es keine Patentlösungen, räumte der evangelische Theologe ein. Als Gründe für wachsende Armut nannte er Arbeitslosigkeit, zu niedrige Löhne, Verschuldung und fehlende Bildung. Besonders betroffen seien Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern und Migranten. (epd)

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