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auf einen Blick
Liedoratorium von Matthias Nagel und Dieter Stork: »Dietrich Bonhoeffer« in New York

»Es packt jeden, der es hört…!«

Für Chorleiterin Ilsabe Bartels-Kohl ist mit der Aufführung des Liedoratoriums »Dietrich Bonhoeffer« im Union Theological Seminary (New York/USA) ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen: Am 6. Oktober erklang das Werk an dem Ort, am dem der lutherische Theologe und profilierte Vertreter der Bekennenden Kirche 1939 das Angebot für einen Lehrauftrag erhielt.

Für Bonhoeffer hätte die Emigration in die USA die sichere Rettung bedeutet – doch er nahm das letzte Schiff zurück nach Europa, bevor der Krieg ausbrach. Wieder in Deutschland wurde Bonhoeffer zum engagierten Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime, kam 1943 in Haft und starb am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg. Bis heute steht Bonhoeffers Name für Zivilcourage, gelebtes Christsein und politischen Widerstand.

Komponist Matthias Nagel, Professor an der Hochschule für Kirchenmusik (Herford), und Pfarrer i.R. Dieter Stork (Text) spüren in ihrem Werk dem spannungsreichen Leben des großen Theologen nach – mal schwungvoll, mal hoffnungsvoll-erhaben. Poppige Sounds wechseln mit gregorianischen Klängen, vertont sind Lebenslust und Melancholie. Bonhoeffers Liebe zu Maria von Wedemeyer kommt ebenso zum Ausdruck wie sein unerschütterliches Gottvertrauen (»Von guten Mächten wunderbar geborgen«).

Schon seit Jahren tourt die Herzblutmusikerin Ilsabe Bartels-Kohl mit dem Liedoratorium und ihrem »Kleinen Chor Burgdorf« durch Deutschland und zu den Lebens- und Wirkorten Dietrich Bonhoffers. Sie war auch in seiner Geburtsstadt Breslau und Auslandsgemeinde in London, in der Berliner Zionskirche und im KZ Flossenbürg. New York fehlte noch – bis jetzt.

Just wieder in Deutschland gelandet, erinnert sich die Chorleiterin an »das unbeschreibliche Gefühl, in der James Chapell in Union Theological Seminary das großartige Liedoratorium von Matthias Nagel und Dieter Stork aufführen zu dürfen.« Ebenso wie an die Proben »im originalen Bonhoeffer Room inmitten vieler Büsten und Fotos«, die anschließenden Begegnungen und Gespräche mit beeindruckten Konzertbesuchern und an das zweite Konzert am 11. Oktober im Deutschen Konsulat, direkt gegenüber dem bekannten UN-Gebäude. Diesmal mit geladenem, internationalem Publikum. »So konnten wir bei zwei Veranstaltungen unterschiedlichste Werte vermitteln. Das macht in meinen Augen die Qualität des Oratoriums aus«, freut sich Ilsabe Bartels-Kohl. »Es packt jeden, der es hört – sei er religiös oder politisch oder auch nicht. Meine Gruppe brennt für das Werk. Und das spürt jeder Zuhörer!«

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