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auf einen Blick
Christliche Kirchen in der Türkei engagieren sich - auch für Geflüchtete

Erfahrungen aus Istanbul

»Alle sprechen über Syrer, aber in Istanbul kommen viele der ärmsten Flüchtlinge aus Schwarzafrika und die Behandlung von AIDS ist für uns eine große Herausforderung« sagt Schwester Eliodora von den Vinzentinerinnen im österreichischen St. Georgskrankenhaus in Istanbul. Die Ordensschwestern begleiten und pflegen erkrankte Flüchtlinge seit über zehn Jahren auch mit Unterstützung von Spendengeldern der EKvW.

Sie arbeiten mit im »Istanbul Interparish Migrant Project«, bei dem auch die evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei engagiert ist. »Wir versuchen, dass keiner sich allein gelassen fühlen muss« sagte Bischof Mustafa Cetin von der syrisch-orthodoxen Kirche. In Yalova, einer Stadt bei Istanbul leben mittlerweile 150 syrisch-orthodoxe Familien, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. Die Lage in der Türkei ist nicht nur wegen der Flüchtlinge brisant.

Minderheiten haben es hier schwer. Das spürt auch die evangelische Gemeinde deutscher Sprache. Immer mehr deutschsprachige Familien reisen aus der Türkei aus und viele Touristen bleiben weg. »Ihr seid dieses Jahr erst die zweite Gruppe. Früher hatten wir bis zu 170 Besuchergruppen pro Jahr« sagt Ursula August, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde. Die aktuelle politische Entwicklung in der Türkei ist für die Kirchen und andere Minderheiten bedrohlich. Ihre Existenz ist von Diskriminierung und staatlichen Willkürmaßnahmen bedroht. Eine unabhängige Presse existiert nicht mehr. »Es gibt aber auch zivilgesellschaftliches Engagement, das Mut macht« berichtet Gunnar Köhne. Er arbeitet seit 20 Jahren als Journalist in der Türkei und erzählte von einer geflüchteten Unternehmerin, die erfolgreich drei Schulen für syrische Flüchtlingskinder finanziert. Viele solcher Projekte nennen sich Umut – das türkische Wort für Hoffnung.

Für insgesamt sieben Tage bereiste eine Delegation der EKvW Istanbul und die Osttürkei, um das Leben der christlichen Kirchen und die Situation der Flüchtlinge näher kennen zu lernen. Zur westfälischen Delegation gehörten Kirchenrat Gerhard Duncker, Pfarrer Ralf Lange-Sonntag, Pfarrerin Annette Muhr-Nelson, Sozialwissenschaftler Thomas Krieger, Pfarrerin Stephanie Lüders, Pfarrer Martin Vorländer, sowie Augin Yalcin und Adnan Mermertas von der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in NRW.

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