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auf einen Blick
900 Teilnehmer beim 33. Westfälischen Kindergottesdiensttag in Unna

»Einen größeren Schatz kann ich mir schwer vorstellen«

»code:_angenommen« – unter diesem Motto haben rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich »Kirche mit Kindern« in Westfalen am Sonntag (19. Juni) in Unna den 33. Westfälischen Kindergottesdiensttag gefeiert. Dabei erinnerte das Motto an die reformatorische Erkenntnis, allein aus Gnade von Gott angenommen zu sein, ohne dafür etwas leisten zu müssen.

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, unterstrich in ihrem Grußwort, dass Gott nicht Schnittstelle, Pincode oder userinterface sei. »Gott ist Person, Gesprächspartner, Mensch und Kind. Er wurde Gegenüber mit Augen und Ohren, Herz, Mund und Händen. Ein Mensch, der uns Menschen als Mensch angenommen hat und uns lehrt, Menschen zu sein und zu werden.«

Um Kindern die Geschichte Gottes nahe zu bringen, brauche es menschliche Stimmen und Gesichter, Personen und Persönlichkeiten, die sich den Kindern und Jugendlichen zuwenden, die hören und antworten und buchstäblich »face to face« für etwas einstehen. So dankte die leitende Theologin der westfälischen Landeskirche den Kindergottesdienst-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Aufgabe wahrnehmen. Kurschus: »Einen größeren Schatz und auch einen zeitgemäßeren kann ich mir schwer vorstellen!« Sie selbst habe als Erwachsene im Kindergottesdienst schon viel von Kindern gelernt, etwa zu staunen oder erwartungsvoll zu sein. Ihr Fazit: »Kindergottesdienst ist ein Bereich, ohne den unsere Kirche nicht denkbar ist.«

Werner Tiki Küstenmacher setzte in der Pressekonferenz noch eins oben drauf: »Kindergottesdienst ist der Lebensnerv von Kirche«, sagte er. Zuvor hatte der Pfarrer und Karikaturist in seinem Vortrag mit dem Titel »Glaube, G.N.A.D.E. und Gehirn« verblüffende Erkenntnisse der Neurowissenschaft geliefert. Ganz nebenbei streifte er dabei die Fragen, wer die 95 Thesen wirklich angeschlagen habe (»Der Hausmeister«) und wo Luther den Durchbruch seiner reformatorischen Entdeckung gehabt habe (»Auf dem Klo«).

Während Tiki in atemberaubenden Tempo synchron zeichnete, unterhaltsam sprach und manchen Gag platzierte, hatte er auch lebenspraktische Tipps parat. Zum Beispiel »Glaube nicht allen Deinen Emotionen«, kurz: G.N.A.D.E. Ein wichtiger Schlüssel zum Glücklichsein bestehe darin, mit dem limbischen System (»LIMBI«), dem emotionalen Teil des Gehirns, auf kreative Art und Weise zu kooperieren.

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden zwischen 34 Arbeitsgruppen wählen. Dabei reichte die Palette vom Erzählen biblischer Geschichten, etwa mit Hilfe des Schwarzlicht-Theaters, Bodenbildern oder unterschiedlichen Kinderbibeln über das Beten und Pilgern mit Kindern und Musik sowie Bewegung für Kids bis hin zum Umgang mit verhaltensoriginellen Kindern. Der Tag endete mit einem Abendmahlsgottesdienst, der musikalisch von Dieter Falk & Sons gestaltet wurde.

»Jedes Kind hat das Recht, die eigene Spiritualität zu entfalten und zu leben«, betonte Pfarrerin Kerstin Othmer-Haake, Beauftragte der westfälischen Landeskirche für den Kindergottesdienst, am Rande des Treffens. Der Charme des Kindergottesdienstes sei es, dass in ihm das Schwere leicht gesagt werde. Deshalb sei er zunehmend auch für die Eltern der Kindergottesdienst-Kinder interessant, die nicht den Erwachsenen-Gottesdienst besuchen. Zugleich sei der Kindergottesdienst »der Nährboden für theologischen Nachwuchs«, so Othmer-Haake. Dem konnte Tiki Küstenmacher nur beipflichten. Er selbst habe seine kirchliche Karriere als Mitarbeiter im Kindergottesdienst begonnen.

Nach Angaben des Westfälischen Verbandes für Kindergottesdienst finden im Bereich der westfälischen Landeskirche wöchentlich an die 700 Gottesdienste für Kinder zwischen zwei und zehn Jahren statt, die meisten davon sonntags, viele aber auch an anderen Tagen. Rund siebentausend ehrenamtliche Mitarbeitende engagieren sich auf diesem Feld. Pro Jahr nehmen 1.000 von ihnen an speziellen Fortbildungen teil, etwa 250 lassen sich mit Blick auf Gottesdienste mit Kindern gezielt beraten.

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