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Von Präses Kurschus handsignierte Lutherbibel 2017 in Dorsten überreicht

»Ein geistiges und geistliches Abenteuer«

»Wir wagen es mit einem alten Buch, das nun in behutsam veränderter Gestalt, vertraut und zugleich neu und in beidem kraftvoll und befremdlich, überraschend und gewinnend, geheimnisvoll und betörend daherkommt.« Von der Lutherbibel 2017 ist hier die Rede: Der Theologe Gerrit Noltensmeier sprach am Donnerstag (2.3.) in Dorsten über den jahrelangen Prozess der Revision von Martin Luthers Bibelübersetzung.

Pünktlich zum 500-jährigen Reformationsjubiläum ist die neue Fassung der Lutherbibel erschienen. Über fünf Jahre lang haben rund 70 Theologinnen und Theologen gemeinsam mit anderen Fachleuten den Text überarbeitet. Gerrit Noltensmeier (Detmold), früher Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, hat dem Lenkungsausschuss der Expertenkommission angehört und damit die letzten Entscheidungen über den Text mitgetragen. Die Evangelische Kirche von Westfalen macht ihren 501 Gemeinden nun ein besonderes Geschenk: Sie erhalten die Lutherbibel 2017 als Altarbibel, insgesamt an die tausend Bücher, handsigniert von Präses Annette Kurschus. Vier davon überreicht die leitende Theologin persönlich, eine davon jetzt im Gemeindezentrum Barkenberg der Kirchengemeinde Hervest-Wulfen.

Schon Luther hat seine eigene Übersetzung zeit seines Lebens ständig überarbeitet und so immer weiter verbessert, erläuterte Noltensmeier. Die Revisionen, die der Lutherbibel zuletzt ihre Gestalt gegeben haben, liegen drei Jahrzehnte oder länger zurück. Damals wollte man den alten Text modernisieren, verständlicher machen. Aber »in dem Bemühen um einen gemeinsamen, leicht fasslichen Text der Lutherbibel bleibt ihr eigenes Profil, ihr sprachlicher Reiz vielfach auf der Strecke«, so der Theologe in kritischem Rückblick. Nun also ging es ausdrücklich nicht um eine moderne Übersetzung – »deren gibt es heute genug« -, sondern darum, den eigenen Klang und die Kraft von Luthers Sprache wieder stärker zur Geltung zu bringen. Bildkräftige Neuschöpfungen, die ins Deutsche eingegangen sind, hat er geschaffen: »Morgenland, Feuereifer, Herzenslust, Übeltäter«, nannte der Referent als Beispiele, aber auch sprichwörtliche Redensarten wie »ein Dorn im Auge, sein Herz ausschütten, Perlen vor die Säue werfen…«.

Genauigkeit nach dem Stand der modernen Bibelwissenschaft war ebenso ein Ziel der Revision. Anschaulich schilderte Noltensmeier den kleinteiligen Arbeitsprozess, das gewissenhafte Suchen nach der besten Möglichkeit, das Prüfen, Vergleichen, Abwägen, bis man endlich eine Entscheidung treffen konnte. Er sprach von den zahlreichen »teils überzeugenden und begründeten, teils auch abwegigen Vorschlägen«, die dem Lenkungsausschuss vorlagen und über die er mit Zweidrittelmehrheit entscheiden musste – »eine sinnvoll hohe Hürde, die individueller Willkür wehren sollte«.

Rund 40 Sitzungen, meist drei Tage lang, waren notwendig, bis endlich das Ergebnis vorlag. Noltensmeier: »Das Ringen um den Ertrag der exegetischen Wissenschaft, um reformatorisch-theologisches Profil, um die Verantwortung für das Deutsch der Lutherbibel und die Rücksicht auf heutiges Sprechen und Verstehen war ein geistiges und geistliches Abenteuer.«
(Pressemitteilung 18/2017)

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