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Vor 70 Jahren ist der NS-Widerstandskämpfer Kurt Gerstein gestorben

Ebenso interessant wie umstritten

WESTFALEN - Vor 70 Jahren, am 25. Juli 1945, ist der NS-Widerstandskämpfer Kurt Gerstein gestorben. Aus diesem Anlass hat WDR 5 ein Zeitzeichen produziert, das Im Internet nachgehört und heruntergeladen werden kann. In dem Feature kommt auch Wolfgang Günther, kommissarischer Leiter des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) zu Wort. Dort ist seit 1970 der Großteil des »Kurt-Gerstein-Archivs« zu Hause.

Weil Gerstein das Vernichtungssystem der Nationalsozialisten selbst sehen und sein so gewonnenes Wissen »vor allen Leuten hinausschreien« wollte, ging er 1941 zur Waffen-SS. Dort machte er als Ingenieur und Mediziner eine Blitzkarriere und wurde in die Vernichtungslager Belzec und Treblinka geschickt.

Gerstein sah die Massenvernichtungen und informierte daraufhin ausländische Diplomaten und deutsche Kirchenvertreter. Sein Bericht gelangte über den niederländischen Widerstand auch nach London. Gerstein blieb bei der Waffen-SS und versuchte, Zyklon B-Lieferungen an die Vernichtungslager umzuleiten oder unschädlich zu machen. Nach dem Krieg geriet er in französische Gefangenschaft. Kurz darauf wurde er erhängt in seiner Zelle gefunden.

Gersteins Persönlichkeit und Rolle sind umstritten: Manche sehen ihn als einen der Bekennenden Kirche nahestehenden evangelischen Christen, der in SS-Uniform versuchte, Informationen zu erlangen, um sie gegen das NS-Regime zu verwenden. Andere sehen in ihm einen Mittäter, der erst nach der Kapitulation Deutschlands versuchte, sich als heimlichen Widerstandskämpfer darzustellen.

Im Landeskirchlichen Archiv befinden sich zahlreiche Dokumente und Schriftwechsel, die im Bemühen um die Rehabilitierung Kurt Gersteins nach seinem Tod und der Einstufung als »Belasteter« entstanden sind und gesammelt wurden.

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