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Aktuelle Romane zur Reformation - Start der Veranstaltungsreihe im Kirchenkreis Paderborn

Die Reformation als Urlaubslektüre

Mit einem Ausflug in die Welt nicht nur historischer Romane aus dem 21. Jahrhundert begann im Evangelischen Gemeindezentrum in Bad Lippspringe die Veranstaltungsreihe zum interreligiösen Dialog  »Einfach frei – 1517 und die Folgen der Reformation in Europa«.

Referent des Abends war Dr. Richard Janus, evangelischer Theologe an der Universität Paderborn, der von Pfarrer Felix Klemme (Evangelischer Kirchenkreis Paderborn) begrüßt wurde. »Es gibt ungefähr 50 Buchtitel (von der Jahrtausendwende bis heute, Anm. d. Red.), die sich in deutscher Sprache mit der Reformation befassen«, stellte Dr. Richard Janus zu Beginn fest. Die meisten davon würden in der Zeit der Reformation spielen, einige auch in der Neuzeit. Er selbst habe sich zuletzt mit 13 Romanen intensiv auseinander gesetzt. »Mir ist aufgefallen, dass das Genre eher für Frauen und den Urlaub gedacht ist«, scherzte Janus.

Die von Janus vorgestellten Bücher, darunter auch einige Kriminalromane, haben unterschiedliche Inhalte und Bezüge zum Thema Reformation. Sie spielen in Berlin oder Wittenberg, andere in Rom, Erfurt oder auf einem Kreuzfahrtschiff in der Gegenwart. Und es geht nicht nur um Martin Luther, sondern zum Beispiel um seinen Gegner Johannes Cochläus, um den Reformator Thomas Müntzer oder den Liederdichter Jochen Klepper.

Die Flucht Katharina von Boras aus einem Kloster wird beispielsweise in dem Buch »Das ewige Haus« von Thorsten Becker beschrieben. In anderen Büchern habe man den Protestanten humorvoll den Spiegel vorgehalten. »Mal hat man eine katholische, mal eine evangelische Sichtweise«, so Janus. Auch Erkenntnisse über das frühere Frauen- und Männerbild gingen aus der Lektüre hervor. So sei Katharina von Bora schon sehr emanzipiert gewesen. »Sie hat ihrem Mann den Rücken freigehalten, zuhause gewirtschaftet und Grundstücke gekauft; beide waren zuhause gleichberechtigt«, stellte Janus fest.

Die Person des Reformators Martin Luther bezeichnete der Referent als »cholerischen Charakter, der locker 200 Seiten schreiben konnte, wenn er sich aufgeregt hat.« Luthers Leben ließe sich aus den untersuchten Romanen nicht rekonstruieren. Sie seien in erster Linie Unterhaltungsliteratur. »500 Jahre Reformationsgeschichte bieten auch eine Menge Stoff für Legenden und spannende Erzählungen«, stellte Dr. Richard Janus abschließend fest.

Die Regionalstelle Paderborn des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Westfalen und Lippe lädt im Reformationsjubiläumsjahr bis Dezember jeden Monat zu einer Veranstaltung ein.

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