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auf einen Blick
Poetry Slam zum evangelischen Themenjahr 2015 »gotteswort – Reformation. Bild. Bibel«

Dichter streiten über Himmel und Hölle

Sim Panse heißt der aktuelle Gewinner des Poetry-Slams in der Dortmunder Reinoldikirche. Der 27-Jährige Bremer hat am Montagabend (26.1.) mit seinen beiden Beiträgen den Dichterwettstreit für sich entscheiden können. Er erhielt den meisten Applaus aus der mit rund 450 Gästen voll besetzten Kirche.

»Wir in der evangelischen Kirche lieben das Wort«, erklärte Pfarrerin Susanne Karmeier von der St. Reinoldi-Gemeinde zu Beginn des Slams. Bereits im vergangenen Jahr hatte es im Rahmen der Reformationsdekade einen Slam zum Thema »Kirche und Politik« gegeben. Mit sehr großem Erfolg. Zum Themenjahr 2015 »gotteswort – Reformation. Bild. Bibel« ging es beim Slam um »Himmel und Hölle«. Veranstalter damals wie heute war neben St. Reinoldi das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe. Der bekannte Slammer Sebastian23 übernahm wieder die Moderation.

Sechs Poeten trugen dem Publikum ihre Gedanken zu Himmel und Hölle vor. Mal lustig, mal sehr nachdenklich, mal als Prosa und mal gereimt. Von der persönlichen Party-Hölle in Hamburg über die Begegnung mit Petrus im Himmel nach einem Verkehrsunfall bis hin zu einem eindrucksvollen Text über Kindesmissbrauch. Kann der Opa, der den kleinen Jungen missbraucht und ihm die Hölle bereitet hat, in den Himmel kommen? Warum stirbt er, ohne dass er dem Jungen die Gelegenheit zur Genugtuung gibt?

Adina, eine der erfolgreichsten Frauen der deutschsprachigen Slam-Szene, sagte in ihrem Text über Menschenhandel: »Der Griff zum Abdeckstift ist zur Gewohnheit geworden.« Er mildert blaue Flecken und übertüncht so manches. Eindringliche Worte, die unter die Haut gingen. Die junge Frau, die zwischen Wien und Berlin pendelt, wurde Zweite an diesem Abend.

Viele Lacher bekam der Drittplazierte Hinnerk Köhn aus Eckernförde für die Geschichte über seine Begegnung mit Petrus am Himmeltor. Die Darstellung eines rauchenden, saufenden und kiffenden Petrus, der sich als Sachbearbeiter Nr. 1 gemeinsam mit dem Verstorbenen das Video über dessen Leben anschaut und sich Notizen in seinem Laptop macht, war witzig gemacht, satirisch, aber nicht despektierlich.

Micha-El Goehre aus  Bielefeld las aus dem Tagebuch eines Metal-Rockers vor. Wolf Hogekamp aus Berlin, Gründer des ersten Poetry Slams in Deutschland, überzeugte mit tiefsinniger Gesellschaftskritik. Und der aktuelle NRW-Vizemeister in Poetry Slam, Jason Bartsch aus Bochum, spielte mit den Begriffen Himmel und Hölle und Kindheitserinnerungen.

Das Publikum war überwiegend jung und entsprach meist nicht den typischen Kirchgängern. »Genau das wollen wir mit dem Slam erreichen«, so Felix Eichhorn vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk: »Ein Format für jüngere Menschen entwickeln, das mit viel Witz und großer Ernsthaftigkeit kirchliche und gesellschaftliche Themen beleuchtet. Ganz in guter, alter reformatorischer Tradition.« (Pressemitteilung 7/2015)


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