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auf einen Blick
Präses Annette Kurschus zu Gast im Religionsunterricht am Wirtschaftsgymnasium

Den eigenen Standpunkt erkennen und schärfen

BIELEFELD -  „Sünde ist, was dich von dir selbst wegbringt!“ Dieser Satz steht groß an der Tafel. Was bedeutet er für die evangelischen, muslimischen, jesidischen, buddhistischen oder konfessionslosen Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe? Religionsunterricht im Wirtschaftsgymnasium des Carl-Severing-Berufskollegs. Heute ist ein prominenter Gast dabei: Präses Annette Kurschus. Die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen möchte aus erster Hand erfahren und erleben, was an dieser Schnittstelle von Kirche und Schule geschieht.

Wie ist das nun mit der Sünde? Darüber kommt es unter den 27 Teenagern bald zu lebhaften Gesprächen. Pfarrer Thomas Aschhoff-Lennier hat sie in vier Gruppen aufgeteilt, die zunächst diskutieren und dann ihre Ergebnisse präsentieren. Ein recht deutliches Bild zeichnet sich ab. „Sünde ist die Stimme in deinem Hinterkopf, die dich beeinflusst, Taten zu begehen, die du bei klarem Verstand nicht tun würdest“, heißt es da zum Beispiel. Unterscheiden zwischen Gut und Böse – das ist allen wichtig. Von Drogen und Alkohol ist die Rede, auch von Selbstbeherrschung. Und von Distanz zu Gott.

Es entwickelt sich ein angeregter Dialog zwischen Präses Kurschus und den Schülern. Bald geht es um das Miteinander der Religionen. Dafür ist diese Klasse beispielhaft. Annette Kurschus betont die Bedeutung des Religionsunterrichts gerade in einer multikulturellen Gesellschaft: „Wir empfinden es als Gewinn, verschiedene Sichtweisen und Überzeugungen kennenzulernen. Den eigenen Standpunkt kann ich in der Begegnung mit dem Gegenüber klarer erkennen und schärfen.“

Viele Schüler, Christen wie Muslime, legen Wert auf diesen eigenen Standpunkt. Und gleichzeitig stellen sie anerkennend fest: Ihr Religionslehrer steht ihnen als evangelischer Pfarrer gegenüber, möchte ihnen aber gleichwohl nichts überstülpen. „In Reli redet man eigentlich über alles“, sagt ein Mädchen. Es gehe um Fakten, um Gefühle, um die eigene Meinung. „Ohne dieses Fach würde man nicht regelmäßig darüber nachdenken, warum alles so ist, wie es ist.“

Präses Annette Kurschus hat diese Doppelstunde als Gewinn empfunden. „Wir sind den Kindern und Jugendlichen diesen Unterricht schuldig“, sagt sie anschließend: „Für Bildung braucht es mehr als die Anhäufung von Wissen. Einüben, wie man andere akzeptiert und zugleich die eigene Tradition und Identität bejaht – das kann der Religionsunterricht.“ Schulleiter Dr. Jörg Weber hob hervor, dass nicht nur Schülerinnen und Schülern dieses Fach zu schätzen wissen, sondern auch Bielefelder Unternehmen.

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