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Journalistin Dunja Hayali sprach auf »Kamener Kanzel«

Demokratie nicht durch Schweigen verlieren

Die Journalistin Dunja Hayali hat die Kirchen zu einer stärkeren Einmischung für die Demokratie und die Zivilgesellschaft aufgefordert. Gegen Angriffe auf die Würde des Menschen müsse sich die Zivilgesellschaft zu Wehr setzen, sagte Hayali am Dienstagabend bei der Veranstaltungsreihe »Kamener Kanzel« in der Pauluskirche in Kamen.

Jeder einzelne sei aufgefordert, etwas zu tun. »Wir können die Demokratie durch Schweigen verlieren«, warnte Hayali. Auch von den Kirchen erwarte sie hier eine »klare Kante«.

Hayali, die für ihre journalistische Arbeit 2016 als Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins und den ZDF-donnerstalks mit der »Goldenen Kamera« ausgezeichnet wurde, wandte sich gegen Hass und die Verrohung der Sprache in den sozialen Medien. In diesem Zusammenhang übte sich auch Kritik an dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der in seinen Reden Muslime, Frauen, Journalisten und Mexikaner herabwürdige.

Zugleich forderte die Journalistin die Politik dazu auf, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen. Viele Menschen fühlten sich mit ihren Ängsten allein gelassen. Das sei ein guter Nährboden für eine Radikalisierung, wie sie vielfach in Europa zu beobachten sei.

Besorgt äußert sich Hayali, die das Kind christlicher Eltern aus dem Irak ist, über eine zunehmende Hinwendung von Muslimen zu religiösen Ritualen. Als Beispiel nannte sie, dass oft bereits junge Mädchen ein Kopftuch trügen. Sie könne auch nicht verstehen, dass viele Menschen türkischer Herkunft, die die Vorteile eines demokratischen Rechtsstaats in Anspruch nähmen, einem Mann wie dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Türkei alle Macht übertragen wollten. Vielleicht benötige auch der Islam einen Reformator wie Martin Luther, erklärte Hayali. Dennoch sei es wichtig, mit diesen Menschen immer wieder das Gespräch zu suchen.

Die Reihe »Kamener Kanzel« wird von der Evangelischen Kirchengemeinde Kamen und dem Kirchenkreis Unna gemeinsam veranstaltet. Unter den Referenten, die zu aktuellen Themen Stellung nehmen, waren die evangelischen Theologin Margot Käßmann und Wolfgang Huber und der Mediziner Dietrich Grönemeyer. (epd)

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