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auf einen Blick
Wenn Deutsche von Katastrophen im Ausland betroffen sind

Auf die Notfallseelsorge ist Verlass

Flugzeugabsturz, Terroranschlag, Erdbeben – wenn schreckliche Ereignisse im Ausland auch Deutsche betreffen, sind die Angehörigen verzweifelt. Sie wollen Klarheit: Was ist mit dem geliebten Menschen passiert? Dafür gibt es im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Bonn) die Koordinierungsstelle NOAH (Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe).

NOAH arbeitet eng zusammen mit dem bundesweiten Netz christlicher Notfallseelsorge. Diese Kooperation war Thema des 1. Westfälischen Tages der Notfallseelsorge am Samstag (24.9.) in Iserlohn. 200 Männer und Frauen, die hier in der westfälischen Landeskirche im Einsatz sind, nahmen daran teil.

Kerstin Fröschke von der Koordinierungsstelle NOAH berichtete von der Arbeit der Fachleute, die als telefonische Ansprechpartner der Hotline unter 0800/1888433 im Notfall ständig für Angehörige erreichbar sind. Das Team des psychosozialen Krisenmanagements umfasst zwölf Personen aus Fachgebieten wie Psychologie, Sozialwissenschaften oder Theologie. Ihre Arbeit orientiert sich an den Bedürfnissen und Fragen der Betroffenen, etwa: »Wann ist mein Angehöriger gestorben? Musste er leiden?« Nicht immer sind darauf Antworten möglich. Schwierig wird es auch, wenn im Internet bereits Namen kursieren, die dann womöglich von manchen Medien aufgegriffen werden (»Wie kann es sein, dass ich meinen Namen in der Zeitung lese?«) Oder wenn die Polizei, um die Identität des Toten zu ermitteln, bei den Angehörigen auftaucht und persönliche Gegenstände wie Kamm oder Kopfkissen für eine DNA-Probe verlangt. Die Leute von der NOAH-Hotline hören zu, versuchen die verzweifelten Menschen zu beruhigen und zu entlasten und ihnen weitere Hilfen zu vermitteln.

Hier ist die Notfallseelsorge der Kirchen unverzichtbar. Gelangt man im Team von NOAH zu der Überzeugung, dass betroffene Angehörige irgendwo in Deutschland jetzt »Erste Hilfe« durch Seelsorge brauchen, klingelt das Mobiltelefon von Pfarrer Ralf Radix. Als Vorsitzender der Konferenz Evangelische Notfallseelsorge in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist er erster Ansprechpartner. Eine Vertretungsregelung gewährleistet seine Erreichbarkeit. Radix leitet die Anfrage umgehend an den Notfallseelsorge-Beauftragten der evangelischen Landeskirche oder des katholischen Bistums der betreffenden Region weiter. Ist dort niemand erreichbar, wendet er sich an die zuständige Notrufleitstelle von Feuerwehr und Polizei, die dann den Kontakt zum nächsten Notfallseelsorger herstellt. »Spätestens nach 25 Minuten, in der Regel früher, macht sich dann ein Seelsorger auf den Weg zu den Betroffenen«, berichtet Radix. »Wir wissen, dass wir uns auf die evangelische und katholische Notfallseelsorge verlassen können«, sagt Kerstin Fröschke.
Insgesamt 1.100 Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger arbeiten neben- oder ehrenamtlich in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie stehen Menschen in akuten Notsituationen bei, zum Beispiel bei tödlichen Unfällen oder Suizid. Alle haben eine spezielle Ausbildung absolviert. Die Gesamtkoordination liegt bei Ralf Radix, Pfarrer für Notfallseelsorge im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Schwerte-Villigst. (Pressemitteilung 53/2016)

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