Sonntag, 1. Mai

Zur Gemeinde Via Spezio in Palermo gehören zahlreiche Afrikaner. Zu einem gemeinsamen Essen nach dem Sonntagsgottesdienst tragen sie mit Spezialitäten aus ihrer Heimat bei. Foto: EKvW

Palermo. Viele Völker haben sich hier im Lauf der Jahrhunderte nacheinander niedergelassen und die Stadt geprägt. Um 800 begann mit den Arabern eine Zeit großer wirtschaftlicher und kultureller Blüte und Toleranz. Viele architektonische Spuren erinnern daran: zierliche Säulen, Ornamente von leichter Eleganz. Auch in manchen Ortsnamen klingt das Arabische noch an: „Kalsa“, die Erwählte, die Besondere, heißt ein Stadtviertel; es gibt das Castello del Zisa, von „El Aziz“: das Wunderbare, Großartige.

Juden, Christen und Muslime lebten miteinander, auch noch unter den Normannen, die auf die Araber folgte. Mit der friedlichen Koexistenz war es vorbei, als ab etwa 1490 die Spanier kamen. Der ehemalige arabische Emiratspalast wurde zum Sitz der Inquisition, bis heute sind dort die Zellen der Todeskandidaten zu besichtigen, die als Ketzer verfolgt und hingerichtet wurden. Die zahlreichen Juden Palermos wurden umgebracht oder vertrieben.

Erst seit dem 17. Februar 1848 sind die Waldenser in Italien als Religionsgemeinschaft anerkannt. Ihre eigene jahrhundertelange Verfolgungsgeschichte ist ihnen Verpflichtung, stark für Religions- und Glaubensfreiheit und den Schutz der Menschenrechte einzutreten.

In der Waldensergemeinde Via Spezio feiern wir Gottesdienst. Viele Afrikaner sind dabei, hauptsächlich aus Ghana, Männer im Sonntagsstaat, Frauen in farbenprächtigen Gewändern, zahlreiche Kinder. Offenbar selbstverständlich gehören sie zur Gemeinde. Begleitet von zwei Trommeln singt der afrikanische Chor Lieder nach altbekannten Melodien: „Weil ich Jesu Schäflein bin“, „Jesu, geh voran“ und „So nimm denn meine Hände“.

Bei den Abkündigungen appelliert eine Frau temperamentvoll und eindringlich, den arbeitslosen Schwestern und Brüdern aus Ghana bei der Jobsuche zu helfen. Dass das Programm „Gemeinsam Kirche sein“ hier offensichtlich funktioniert, ist Ergebnis eines Prozesses. Anfangs, so berichtet man uns, wollten die Afrikaner zum Beispiel in jedem Gottesdienst mit zehn großen Trommeln Musik machen – das war manchen Einheimischen zu viel.

Gut, wir nehmen nur zwei Trommeln und spielen etwas leiser, sagten die neuen Gemeindeglieder. So hat man sich aufeinander zubewegt und Kompromisse geschlossen. Wie die Afrikaner das Gesicht der Gemeinde gewandelt haben, wird auch beim anschließenden Agape-Mahl im deutlich. Zu den Köstlichkeiten der italienischen Küche, die es hier gibt, haben sie auch Spezialitäten ihrer Heimat beigesteuert. Fröhlich und etwas turbulent geht es zu.

 
 
 
 
Sonntag, 1. Mai
 

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