Mittwoch, 27. April

- Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Foto: EKvW
Unter dem Petersdom: Hier war in römischer Zeit eine Stätte der Hinrichtung. Dann entstand eine Nekropole, eine Totenstadt: ein unterirdisches System von Straßen und Gräbern, meist kunstvoll geschmückt. Wohlhabende Römer fanden hier in reich verzierten marmornen Sarkophagen ihre letzte Ruhe.
Sehr früh schon verehrten Christen hier auch das Grab des Petrus, der, so die Überlieferung, als Märtyrer in Rom gestorben ist. Tatsächlich ergab eine Untersuchung der angeblichen sterblichen Überreste des Jüngers Jesu, auf den der Herr seine Kirche bauen wollte: Die Knochen stammen von einem Mann aus Palästina, der im Alter zwischen 60 und 70 Jahren eines gewaltsamen Todes gestorben ist.
Auf dieser Annahme fußt die römisch-katholische Kirche. Das Grab, über dem sich heute das bekannteste Gotteshaus der Christenheit erhebt, ist Grundlage und Ausgangspunkt einer ununterbrochenen Kette von Bischöfen, die alle in der Nachfolge des Apostels Petrus stehen, in der apostolischen Sukzession. Nur unter dieser Voraussetzung ist das Bischofsamt gültig.
Dieses Amtsverständnis steht zwischen uns als evangelischen Christen und der katholischen Kirche. Das hatte uns am Vormittag Kardinal Kurt Koch höflich, kühl und unmissverständlich erklärt. Der Erzbischof ist seit 2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung zur Einheit der Christen.
Die reine Verkündigung des Evangeliums und der gute Umgang mit den Sakramenten: Das genügt zum Kirchesein, so das Augsburger Bekenntnis.
Nach katholischer Auffassung genügt es nicht, sondern das Bischofsamt gehört unabdingbar dazu, sagt Kardinal Koch. Mehr noch: Die Predigt und vor allem das Altarsakrament ereignen sich nur dann „gültig“, wenn ein geweihter Priester, der in der apostolischen Sukzession steht, sie vollzieht. Wir können nicht erwarten, so Kardinal Koch, dass die katholische Weltkirche etwas aufgibt, was für sie konstitutiv ist.
Unser Modell der versöhnten Verschiedenheit sieht anders aus. In der Kirche des anderen wollen wir Wahrheit erkennen und gelten lassen: Dann ist das Gemeinsame einheitsstiftend, ohne dass die Unterschiede trennen.
Am Nachmittag zeigt uns ein junger, sympathischer Priester aus Ungarn das Grab des Petrus. Ob diese Knochen wirklich die des Apostels sind oder nicht, findet er nicht entscheidend. Es ist nicht heilsnotwendig, das zu glauben. Beweisen lässt es sich nicht, auch wenn vieles dafür spricht. „Ich persönlich glaube daran“, erklärt unser Führer. Gemeinsam beten wir zum Abschluss ein Vaterunser.


