Freitag, 29. April

- Bei der Jubiläumsfeier kamen die Kinder aus den Schulen des Servizio Christiano in traditioneller sizilianischer Tracht. Foto: EKvW
Riesi ist einer der ärmsten und auch trostlosesten Orte Siziliens. Früher schufteten viele Bewohner der kleinen Stadt, auch Kinder, in den beiden nahe gelegenen Schwefelminen. Eine harte, gefährliche und gesundheitsschädliche Arbeit. Um 1960 lag die Säuglingssterblichkeit bei rund 40 Prozent. Die hygienischen Verhältnisse waren verheerend, eine gesundheitliche Versorgung gab es in der Gegend praktisch nicht, die Zahl der Analphabeten war hoch.
Gerade hier gründete der Waldenserpfarrer Tullio Vinay 1961 das Servizio Christiano. Er wollte „in Worten und Taten von der neuen Welt, offenbart in der Person des gekreuzigten und auferstandenen Christus“, Zeugnis geben.
Heute umfasst das Servizio Christiano einen Kindergarten und eine Grundschule. Eine Familienberatungsstelle mit medizinischer Versorgung hilft in erster Linie Frauen: Viele haben gesundheitliche Probleme, viele werden innerhalb der Familie misshandelt. In einem neuropsychomotorischen Rehabilitationszentrum finden Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren professionelle Hilfe. Es gibt viele Kinder mit schweren psychomotorischen Problemen gerade in dieser armen Region. Außerdem: die Landwirtschaft. Im biologischen Anbau gedeihen Oliven, Mandeln, Salat, Tomaten, Pilze, Zwiebeln. Die Erzeugnisse werden verkauft oder kommen im Gästehaus auf den Tisch.
Gemeinsam mit vielen anderen Partnern nehmen wir an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen teil. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Partner auch auf dem Fachgebiet neuropsychomotorischer Therapien, überreichen einen Scheck. Als westfälische Kirche geben wir einen Beitrag zur Anschaffung eines neuen Ultraschallgerätes für die Familienberatungsstelle. Man zeigt uns auch den Sportplatz, dessen wetterbeständigen Belag die EKvW finanziert hat. Als Präses Manfred Sorg 2003 hier zu Besuch war, brachte er die Zusage zur Finanzierung mit.
Riesi. Inmitten einer der ärmsten Regionen Europas, wo die Menschen von der Mafia drangsaliert werden, wächst ein Senfkorn. Gewiss sind die Verhältnisse immer noch arm. Das Servizio Christiano kann nicht flächendeckend die sozialen Probleme lösen. Aber es ist ein kräftiges Hoffnungszeichen, das ausstrahlt.


