Dienstag, 26. April

Präses Alfred Buß unterhielt sich lange mit Moderatorin Maria Bonafede (r.) und ihrer Stellvertreterin Daniela Manfrini (l.). Foto: EKvW

Maria Bonafede ist Moderatorin der Tavola Valdese, also die leitende Theologin der Waldenserkirche (übrigens als erste Frau ihrer Geschichte). Maria Bonafede schildert uns die verschiedenen Gesichter ihrer Kirche; sie spricht von „Typen“.

Da sind erstens die Gemeinden in den großen Städten wie Rom, Mailand oder Neapel. Hier sieht man sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, hier wird die waldensische Kirche interessant für Zeitgenossen, oft mit intellektuellem Anspruch, mit wachem Gespür für drängende Fragen. Ein Beispiel: die christliche Patientenverfügung, italienisch Testamento Biologico. Sie stößt auf großes Interesse, die Waldenserkirche bietet dazu Beratung an, auch wenn das Testamento Biologico nur symbolischen Wert hat und nicht rechtsverbindlich ist, weil es in Italien keine entsprechende Rechtssprechung gibt.

Zum Zweiten: In einigen Tälern Piemonts, im Nordwesten Italiens, liegt das waldensische Kerngebiet. Hier, wo rund die Hälfte der Bevölkerung dieser Kirche angehört, muss man keinem – wie anderswo – erklären, was das ist: evangelisch. Hier wird das geschichtliche Erbe, das bis ins Hochmittelalter zurückreicht, bewahrt und erforscht. Eine volkskirchliche Situation mit allen Vor- und Nachteilen, sagt Moderatorin Bonafede. Alle werden getauft, alle werden konfirmiert – aber danach sind sie in der Gemeinde nicht mehr so präsent. Immerhin: In einer Gemeinde mit tausend Mitgliedern kommen zu einem normalen Sonntagsgottesdienst hundert Personen, zehn Prozent.

Die dritte Ausprägung nennt Frau Bonafede „das italienische Afrika“. Im Nordosten Italiens, in einer wirtschaftlich starken Region, haben sich Flüchtlinge aus Ghana, Nigeria, Togo, Kamerun und anderen afrikanischen Ländern niedergelassen und den waldensischen Gemeinden angeschlossen. Deren Mitgliederzahlen verdreifachten oder vervierfachten sich dadurch. Für die Kirche eine erfreuliche, aber oft auch schwierige Herausforderung, der sie mit dem Programm „Gemeinsam Kirche sein“ begegnet. Die kulturellen Unterschiede sind erheblich. „Wir mussten lernen, dass die Afrikaner erst einmal ja sagen, wenn wir etwas vorschlagen, dann aber doch anders handeln“, erzählt die Moderatorin. Unversehens entwickelten sich Parallelstrukturen. Wer eigentlich für das Predigtamt qualifiziert ist und wer nicht, darüber zum Beispiel gingen die Meinungen auseinander. Nach einigen Hin und Her konnte jetzt eine für alle verbindliche Liste von Predigern aufgestellt werden. Erfolgreich arbeitet man (mit Unterstützung aus Westfalen) in der Ausbildung von Laienpredigern.

Und schließlich, fast am Rande, erwähnt Maria Bonafede noch einige sehr kleine, in den Abruzzen versprengte Rückkehrergemeinden aus ehemaligen Auswanderern, die einst ihre italienische Heimat Richtung Amerika verließen und später wieder heimgekehrt sind.

 
 
 
 
Dienstag, 26. April
 

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