Sonntag, 17. Oktober
Martin Skeppstedt, 24, ist verantwortlich für die Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche am La Plata. Karen Liebrenz, 17, hat diese Aufgabe für Misiones übernommen, einen von sieben Kirchenbezirken. Ehrenamtlich. Hauptamtliche Jugendarbeit gibt es nicht. Überzeugend ist die dezentrale Organisationsstruktur mit Bezirksvorsitzenden und Delegierten, insgesamt rund 300. Alle drei Jahre kommen sie zu einem großen Treffen zusammen – ein selbst organisiertes, attraktives Großereignis.
Wir erleben selbstbewusste junge Menschen, die als Angehörige einer konfessionellen Minderheit klar zu ihrem evangelischen Bekenntnis stehen. Das protestantische Profil: Unter den Bildungsveranstaltungen der Jugendarbeit war dieses Thema ein Renner, berichtet Martin. Nicht selten wird in diesem Land Christentum ausschließlich mit Katholizismus gleichgesetzt. Wer aus Überzeugung anders ist als die Mehrheit, denkt systematisch über seinen Glauben nach.
Karen, die eine katholische Schule besuchte, erzählt von lebhaften Debatten mit ihren Mitschülerinnen – als sie erklärte, nicht an Heilige zu glauben, sorgte das für Erstaunen und Unverständnis. Sie ließ sich aber nicht beirren und fragte ihrerseits nach Gründen für die Heiligenverehrung. Überzeugende Antworten hat sie nicht bekommen.
Wird es die La-Plata-Kirche in dreißig oder vierzig Jahren noch geben? Auf jeden Fall, antwortet Karen ohne Zögern. Aber die deutsche Identität wird der Vergangenheit angehören. Schon jetzt spricht die junge Generation kein Deutsch mehr. Und doch: Diese deutschen Wurzeln sind ein Teil unserer Geschichte, sagen sie. Sie gehören zu uns.
Der Grafikdesignstudent Martin und die Schülerin Karen tragen schon heute Verantwortung. Sie gehören zur jungen Elite, die auch morgen ihre Kirche verantwortlich gestalten kann.



