Montag, 18. Oktober

In der zweisprachigen Schule, die von der Kirchengemeinde Ruiz de Montoya getragen wird, lernen die Guarani-Kinder ihre eigene Sprache Kultur zu bewahren und gleichzeitig Spanisch und den Umgang mit moderner Zivilisation. Foto: EKvW

Armut. In einem Elendsviertel von Buenos Aires unterscheidet sie sich, oberflächlich gesehen, nicht von der Armut in Takuapi. In diesem kleinen Dorf in der Provinz Misiones leben Ureinwohner vom Volk der Guarani. Beide, die Menschen im Slum am Rande der Großstadt und die indigenen Dorfbewohner, sind arm, bitterarm. Und doch fällt der Unterschied sofort auf: hier Kinder mit totem Blick, die Hoffnungslosigkeit verkörpern und Müll sammeln, um zu überleben – dort, bei den Guarani, Kinder, die einfach Kinder sind, die spielen, lachen, mit großen Augen die Welt erkunden.

Die evangelische Gemeinde Ruiz de Montoya betreibt in Takuapi eine zweisprachige Elementarschule. Dabei beschreitet sie einen ganz schmalen Grat: Die Kinder lernen einerseits den Wert ihrer eigenen – bedrohten – Kultur. Sie lernen andererseits, sich in der ganz anderen Umgebung zu bewegen, die wir als Zivilisation bezeichnen.

„Wer die Wurzeln seines Lebens verliert, wird haltlos“, sagt Barbara Schoch von der Gemeinde, die sich seit vielen Jahren für die Guarani engagiert. Deshalb sollen die Kinder lernen, wie man sich in der Tradition ihres Volkes begrüßt; sie sollen ihre Sprache pflegen und ihre Lieder singen. Gleichzeitig lernen sie Spanisch, sie lernen, wie man eine Toilette benutzt und später, wie man mit dem Computer umgeht.

Das Dorf Takuapi ist keine Idylle, keine heile Welt. Es gibt auch hier Alkoholismus, Drogen und Prostitution. Aber die evangelische Gemeinde wendet sich den Menschen zu – auf pragmatische und respektvolle Art und Weise. Sie kann die Armut nicht beseitigen. Doch sie leistet einen Beitrag dazu, dass die Armut nicht in Abhängigkeit auswächst. Das Leben der Guarani bleibt nicht ohne Perspektive.

 
 
 
 
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