Mittwoch, 20. Oktober
In Deutschland wird die Diskussion oft so geführt, als wäre Migration eine neue Erscheinung. Deutschland sei kein Einwanderungsland, hieß noch vor wenigen Jahren die offizielle politische Position. Gut zwei Stunden Busfahrt von Buenos Aires entfernt, in der Provinz Entre Rios, treffen wir eine große Kolonie Wolgadeutscher.
Manche Ältere sprechen noch Deutsch, mehr oder weniger fließend. Ihre Vorfahren sind 1889 aus Russland nach Argentinien eingewandert. Woher aus Deutschland deren Vorfahren stammten, ist in der Familiengeschichte verloren gegangen. Aber ihre Mundarten und ihre Namen weisen auf süddeutsche oder hessische Herkunft. Die Älteren kennen auch noch Wolgalieder – dieselben, die manche Spätaussiedler auch in Deutschland singen.
Wanderungen hat es immer wieder gegeben. Was Menschen mitnehmen und lange Zeit bewahren, sind drei Dinge: ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Religion.




