Reisetagebuch von Präses Alfred Buß
Mittwoch, 31. August

- Bischof Alex Malasusa. Foto: EKvW
Auf der Insel Sansibar erleben wir die Nachbarschaft zum Islam unmittelbar: In der Kirche der lutherischen Gemeinde Mwanankwerekwe gibt es eine Gesprächsrunde mit Gemeindegliedern zu diesem Thema, zeitweise schwer verständlich, weil der Muezzinruf von der nahen Moschee so laut herüberdringt. Hier sind die Christen, anders als auf dem tansanischen Festland, in der Minderheit.
Frauen mit hüftlangen Kopftüchern und Männer mit den typischen gehäkelten Kappen bestimmen das Straßenbild. Bischof Alex Malasusa von der Ost- und Küstendiözese berichtet uns von Bestrebungen, die Scharia, das islamische Recht, in der Verfassung Tansanias zu verankern. Im Unterschied zu den politisch sehr aktiven Führern der Moscheegemeinden halten sich die Christen zu diesem Thema zurück, sagt er.
Traditionell zählt Politik in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Tansanias zum Reich des Bösen. Deshalb bestehe die Gefahr, dass seine Kirche eine Entwicklung verschläft, die gravierende Folgen hätte: Der tansanische Staat würde seine Neutralität aufgeben, die Christen – insgesamt in der Mehrheit – hätten mit Diskriminierung zu rechnen. Bischof Malasusa will hier einen Bewusstseinswandel herbeiführen. Er will Pfarrer fortbilden, er will seine politisch unerfahrenen Kirche in die Lage versetzen, in dieser bedeutenden Frage das Wort zu ergreifen und Einfluss zu nehmen.
Auf anderer Ebene und in anderer Weise geschieht das bereits: Das interreligiöse Zentrum „Upendo“, zu deutsch „Liebe“, bietet nicht nur Nähkurse an, sondern auch Seminare für christliche und muslimische Jugendliche. Immer 40 Personen nehmen daran teil, jeweils 20 Christen und 20 Muslime. Die Teilnahme der jungen Muslime wird vorher mit dem Mufti von Sansibar abgesprochen, der sie dann offiziell sendet.
In den Seminaren setzt man sich mit Alltagsfragen auseinander und kommt dann sehr schnell auch auf Fragen des Glaubens. Außerdem organisiert Upendo einen Familienaustausch: Zweitägige Aufenthalte helfen, die verschiedenen Traditionen und Lebensgewohnheiten zu verstehen. Denn „viele Probleme beginnen in der Familie“, sagt dazu Pfarrer Lusongu Mbilingi, der diese interreligiöse Arbeit organisiert. Kirchliches Handeln – ob auf dem Feld von Bildung und Erziehung oder Diakonie - ist politisches Handeln. Upendo hilft, das Bewusstsein dafür zu entwickeln.





