Die diakonische Verantwortung der Kirche
Durch die Erweckungsbewegung erkannten viele Christinnen und Christen soziales Engagement als wesentliches Element des christlichen Glaubens. Zahlreiche Initiativen zur Armenfürsorge, Krankenpflege und pädagogischen Betreuung entstanden.
In Westfalen baute Friedrich von Bodelschwingh die von ihm geleitete Anstalt vor den Toren Bielefelds zu einer „Stadt der Barmherzigkeit“ aus und gab ihr den Namen „Bethel“ (Haus Gottes). Bis heute ist Bethel mit seinem Prinzip der Integration kranker Menschen in die Welt der Gesunden weit über Westfalen hinaus ein Begriff der christlich-diakonischen Hilfe.
Neben den v. Bodelschwinghschen Anstalten gibt es in Westfalen weitere große Diakoniewerke (Evangelisches Johanneswerk, Evangelisches Pertheswerk, Evangelische Stiftung Volmarstein, Wittekindshof) und viele kleinere Werke, dazu von Gemeinden oder Kirchenkreisen getragene Einrichtungen und Dienste wie Kindergärten, Arbeitslosenzentren, Pflegeheime, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Schuldnerberatungsstellen, Diakoniestationen oder Sozialbüros. Dachverband der diakonischen Einrichtungen ist das Diakonische Werk von Westfalen.
Das gesellschaftspolitische Engagement der Kirche
Die soziale Frage, mit der sich schon der Protestantismus der Erweckungsbewegung befasste, entstand durch die fortschreitende Industrialisierung nach 1850. Im Ruhrgebiet entstanden mit Bergbau und Schwerindustrie, ab 1890 zusätzlich mit der chemischen Industrie und Elektrotechnik, neue Wirtschaftszentren, die durch ihren hohen Technisierungsgrad die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen einschneidend veränderten.
In den evangelischen Landeskirchen wurde die soziale Frage seit Mitte des 19. Jahrhunderts diskutiert. Die westfälische Provinzialkirche legte mit der Errichtung der ersten westfälischen Sozialpfarrstelle 1922 den Grundstein für ihre Industrie- und Sozialarbeit. Daran anknüpfend baute nach dem Zweiten Weltkrieg Klaus von Bismarck ab 1949 das Sozialamt der Evangelischen Kirche von Westfalen auf. Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) reagiert aktuell auf den wirtschaftlichen Wandel. Er ist Teil des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen.





