15.01.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Pressemitteilungen, Landeskirche

Zur Gemeinschaft gibt es keine Alternative

Vizepräsident Albert Henz beim Neujahrsempfang der Katholiken im Bistum Münster

Setzt auf Gemeinschaft: Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen. Foto: EKvW

Setzt auf Gemeinschaft: Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen. Foto: EKvW

MÜNSTER - Während die katholische Kirche darauf zielt, die anderen Kirchen oderreligiösen Gemeinschaften in sich aufzunehmen, setzen die evangelischen Kirchenauf gegenseitige Anerkennung auch ohne institutionelle Einheit. Diesen Weg „würdenwir gerne auch mit den anderen christlichen Konfessionen beschreiten“, sagte AlbertHenz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, amSamstag (15.1.) beim Neujahrsempfang der Katholiken im Bistum Münster.

Auch wenn die volle kirchliche Gemeinschaft in weiter Ferne liege, „sieht wohl auch aufkirchenleitender Ebene niemand eine Alternative zum Ziel, der Gemeinsamkeit unbeirrbarentgegenzustreben. Auch der derzeitige Papst nicht“, erklärte der Theologe.Er wies auf Fortschritte in der Ökumene hin: Die römisch-katholische Kirche habe imZweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) eine Wende zur ökumenischen Öffnung vollzogen.1999 seien auch die gegenseitigen Lehrverurteilungen aus dem 16. Jahrhundertaufgearbeitet worden, und seit 2008 wird die Taufe gegenseitig anerkannt. Außerdem:„Neben der Diskussion um Lehrübereinkunft und die institutionelle Einheit ist eine praktische Ebene des Miteinanders und eine inhaltliche Offenheit füreinander entstanden, die nach Ausdrucksformen und gemeinsamen Aktivitäten sucht“, unterstrich Henz. In derArbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Nordrhein-Westfalen gebe es „ein sehrgutes und unkompliziertes Miteinander“.

Henz benannte aber auch Probleme: Irritierend und kränkend seien etwa die Äußerungender Päpstlichen Glaubenskongregation in dem Dokument „Dominus Jesus“ (2000), dieevangelische Kirche sei keine Kirche im eigentlichen Sinn. Wenn Papst Benedikt XVI.erkläre, sein Ziel sei die volle Wiederherstellung der sichtbaren Einheit der Kirche, könne„von einer Begegnung auf Augenhöhe keine Rede sein“. Jugend und Öffentlichkeit hätten in aller Regel für getrennte Feiern der christlichen Konfessionen wenig Verständnis: „Siewünschen und gestalten gemeinsam die Praxis.“ Außerdem gebe es Felder gemeinsamer Verantwortung der christlichen Kirchen in der Gesellschaft. Ein Beispiel: gemeinsame Initiativen zum Schutz des Sonntags. Henz regte auch verstärkte Zusammenarbeit im sozialen Bereich an: so im Miteinander von Diakonie und Caritas, bei der Entwicklungshilfe, im Dialog mit Muslimen und in der Verantwortung für die Schöpfung.


 
 
 
 
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