30.09.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Landeskirche, Pressemitteilungen

Zielkonflikt, der nach neuen Antworten verlangt

Gemeinsame Erklärung von Kirchen und Landwirtschaft in Westfalen-Lippe zum Erntedankfest

Am Sonntag, 2. Oktober, ist Erntedankfest. Dann gibt es in den Kirchen der westfälischen Kirchengemeinden wieder liebevoll geschmückte Altäre, zum Beispiel mit bunten Kürbissen. Foto: iStockphoto.com

Am Sonntag, 2. Oktober, ist Erntedankfest. Dann gibt es in den Kirchen der westfälischen Kirchengemeinden wieder liebevoll geschmückte Altäre, zum Beispiel mit bunten Kürbissen. Foto: iStockphoto.com

WESTFALEN - Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie ist die Landwirtschaft mehr denn je gefordert, einen Beitrag zur Energieversorgung zu leisten. Darauf weisen die Kirchen und der Landwirtschaftsverband in Westfalen und Lippe hin. Gefordert seien neue Konzepte, die Mensch, Tier und Umwelt ebenso gerecht werden wie den ländlichen Räumen und den Strukturen in der Landwirtschaft, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung zum Erntedankfest am Sonntag (2.10.). Hierbei dürfe die Landwirtschaft aber nicht überfordert werden: „Wir brauchen in der Öffentlichkeit eine ehrliche Diskussion über die Frage, welchen Zwecken unser Boden dienen soll.“

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln, die Bekämpfung des Klimawandels mit erneuerbaren Energien und der gleichzeitige Verlust wertvollen Acker- und Grünlandes etwa durch den Ausbau neuer Stromtrassen „führen zu einem Zielkonflikt, der nach neuen Antworten verlangt“, heißt es in der Erklärung. Zusammen mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) wenden sich die Evangelische Kirche von Westfalen und die Lippische Landeskirche sowie das Erzbistum Paderborn und die Bistümer Münster und Essen damit zum Erntedank an die Öffentlichkeit.

Kirchen und Landwirtschaft feiern in Dankbarkeit für die Ernte des Jahres und mit einem klaren Bewusstsein für die Bedeutung der Landwirtschaft, aber auch ihrer begrenzten Ressourcen. Sie verweisen darauf, dass die Landwirtschaft zur Lösung der großen Fragen unserer Zeit einen beachtlichen Beitrag leisten könne. Ihr Hauptaugenmerk müsse sie weiterhin auf die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung richten. Sie erinnern daran, dass eine starke heimische Landwirtschaft weltweit eine der Voraussetzungen dafür sei, Hunger zu besiegen und Frieden zu stiften. Die Börsenspekulation mit Nahrungsmitteln sei ethisch nicht vertretbar.

Der WLV, die Bistümer und die Kirchen erinnern daran, dass Bauernfamilien durch Dioxinfunde in Futtermitteln und den EHEC-Erreger in diesem Jahr schwere Verluste verkraften mussten, ohne dafür verantwortlich gewesen zu sein. Gleichwohl seien diese Ereignisse von Teilen der Medien und der Politik instrumentalisiert worden, um die Landwirtschaft allgemein zu kritisieren. Die Unterzeichner betonen ihre Absicht, sich der Diskussion über aktuelle Tierhaltungsformen zu stellen. Das gilt auch für die aktuelle Auseinandersetzung über Wachstum in der Landwirtschaft. Gemeinsam wollen sie sich den Herausforderungen stellen, die der demografische Wandel für die ländlichen Räume mit sich bringt.


 
 
 
 
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