Westfälische Landeskirche: Gegen Fracking
Methode zur Erdgasgewinnung birgt Gefahren für Umwelt und Gesundheit

Kirchenleitungsmitglied Dr. Manfred Scholle: "Ohne objektive Umweltverträglichkeitsprüfung ist Fracking unverantwortlich.“. Foto: EKvW
WESTFALEN/BIELEFELD - Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) lehnt Fracking als Methode zur Erdgasgewinnung unter den heutigen Bedingungen ab. Die Kirchenleitung hat den Bestrebungen, „nach unkonventionellen Gasvorkommen zu suchen und diese durch das sogenannte hydraulic fracturing (Fracking) zu erschließen“, jetzt eine klare Absage erteilt.
Fracking setzt im Gestein eingeschlossenes Erdgas frei. Dazu wird ein Wasser-Sand-Gemisch mit teilweise giftigen Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Diese Technik birgt Gefahren für die Gesundheit, wie Störfälle in den USA zeigen.
Wasser und Boden können verunreinigt werden
Die vom Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW erarbeitete Stellungnahme nennt unter anderem folgende Risiken: Die Fracking-Flüssigkeit kann Wasser und Boden mit Säuren, krebserregenden Verbindungen und anderen Giften verunreinigen; Schwermetalle und radioaktive Verbindungen aus dem Gestein gelangen an die Oberfläche. Die Methode verbraucht viel mehr Fläche als die konventionelle Gasförderung. Auch fallen große Mengen an Abwasser an, dessen Reinigung nicht in herkömmlichen Kläranlagen erfolgen kann. Im Übrigen entstehen mehr Treibhausgase als bei der Förderung und Verbrennung von Kohle.
Objektive Umweltverträglichkeitsprüfung muss her
Dr. Manfred Scholle, Mitglied der Kirchenleitung und Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG: „So lange die Probleme von Trinkwasser und Entwässerung nicht gelöst sind, wehren wir uns massiv gegen diese Technik. Denken wir an die Ruhr und den Halterer Stausee, die zusammen Trinkwasser für fünf Millionen Menschen liefern. Ohne eine objektive Umweltverträglichkeitsprüfung wäre Fracking unverantwortlich.“ Präses Alfred Buß ergänzt: „Die Betreiber müssen sich fragen lassen, warum sie nicht freiwillig solche Prüfungen zulassen, warum sie nicht freiwillig Wassereinzugsgebiete aussparen wollen. Da sie dies nicht tun, muss der Gesetzgeber Entsprechendes veranlassen.“
Keine Probebohrungen ohne Gutachten
Die westfälische Kirchenleitung begrüßt die Entscheidung des Landes NRW, bis zum Vorliegen unabhängiger Gutachten keine Fracking-Probebohrungen zu genehmigen. In Nordrhein-Westfalen wollen Energiefirmen wie ExxonMobil, Wintershall und andere Erdgas aus Schiefergestein gewinnen. Für insgesamt 18.000 Quadratkilometern haben sie bereits eine Bergbauberechtigung für das Aufsuchen erhalten. Eine im Auftrag der EU durchgeführte Studie vom Juni 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass die Vorräte an unkonventionellem Erdgas in Europa zu klein sind, um einen wirklichen Beitrag zur Energiegewinnung zu leisten.
Erkundungsbohrungen in Westfalen geplant
Die Bezirksregierung Arnsberg hat bereits 20 Bergbauberechtigungen zum Aufsuchen von unkonventionellem Erdgas erteilt. Eine Erkundungsbohrung in Stemwede (Kreis Minden-Lübbecke) wurde durchgeführt, weitere sind bislang in Nordwalde, Borken und Drensteinfurt geplant. Das Bundesberggesetz sieht weder eine Beteiligung der Öffentlichkeit noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Die EKvW fordert die Bundesregierung auf, eine grundlegende Reform des veralteten Bundesberggesetzes einzuleiten.


