19.11.10, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Pressemitteilungen, Synode 2010

Wachstum ist nicht alles

Westfälische Landeskirche: Für eine ökologische und soziale Wirtschaft

Eine Rückkehr zum Wachstumsdenken des 20. Jahrhunderts läuft dem Klimaschutz zuwider

Eine Rückkehr zum Wachstumsdenken des 20. Jahrhunderts läuft dem Klimaschutz zuwider

BIELEFELD/WESTFALEN. Für eine ökologisch und sozial zukunftsfähige Wirtschaft, die sich nicht allein am Bruttoinlandsprodukt orientiert, hat sich die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen ausgesprochen. Am Donnerstagabend (18.11.) bezog das „Kirchenparlament“ in Bielefeld Stellung zur Wirtschafts- und Finanzmarktkrise. Dabei wird kritisiert, dass „Wachstum“ weiterhin allein als Ziel allen Wirtschaftens und als Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme angesehen werde.

Auch Kirche und Diakonie haben am wirtschaftlichen Wachstum teil – zugleich bekennen sie sich zu ihrer besonderen Verantwortung für diejenigen, die vom Wachstum nicht profitieren. Denn eine einseitige Rückkehr zum Wachstumsdenken des 20. Jahrhunderts läuft nach Auffassung der Synode dem Klimaschutz zuwider, verbraucht kurzsichtig Ressourcen und täuscht darüber hinweg, dass die soziale Spannung national und weltweit wächst. Die gesellschaftliche Entwicklung müsse an neuen Maßstäben wie Umwelt- und Sozialverträglichkeit ausgerichtet werden.

Diese Sozialverträglichkeit wird in der Politik vermisst: „Die von der Bundesregierung beschlossenen Ausgabenkürzungen betreffen zu mehr als einem Drittel den sozialen Bereich. Menschen, die in wirtschaftlich benachteiligten und strukturschwachen Regionen und Kommunen des Landes leben, sind von diesen Kürzungen doppelt betroffen“, kritisiert die Synode. Sie fordert eine Steuer auf Finanztransaktionen. Steuersenkungen seien in den nächsten Jahren nicht zu verantworten, doch die Steuerpolitik sollte gerechter werden.

Kritisch sieht die Synode auch die Ausweitung des Niedriglohnsektors und die Zunahme von Leiharbeit. Dadurch würden Einkünfte aus Erwerbsarbeit für fast ein Drittel aller Erwerbstätigen nicht mehr zur Existenzsicherung ausreichen. „Mit einem gesetzlichen Mindestlohn lässt sich verhindern, dass auf Dauer mit Sozialleistungen ein Niedriglohnsektor subventioniert wird“, heißt es in dem Beschluss.

Die Evangelische Kirche von Westfalen „weiß sich verpflichtet, auch in ihren eigenen Arbeitsfeldern Alternativen zu entwickeln, setzt sich deshalb weiter für Klimagerechtigkeit ein und fördert den Diskurs zur sozialen Tragfähigkeit nachhaltigen Wirtschaftens“. Sie unterstützt Kirchengemeinden und Kirchenkreise in der Wahrnehmung ihrer sozialen Verantwortung und ihren Dialog mit anderen gesellschaftlichen Kräften. Sie fördert Initiativen und einzelne Personen, die an der zukunftsfähigen Gestaltung der Gesellschaft mitwirken.


 
 
 
 
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