Matthias Surall, Studierendenpfarrer in Paderborn. Foto: ESG Paderborn

Ich bin gerne Mitglied der Evangelischen Kirche von Westfalen, weil junge Erwachsene sie in ihren Studierendengemeinden so erleben können: als Anlaufstelle, Experimentierfeld und Ankerplatz unter protestantischer Flagge und mit ökumenisch-internationalem Horizont für die spirituelle Sehnsucht nach mehr und anderem als dem, was sich immer nur rechnen und auszahlen muss.

Matthias Surall, Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde Paderborn

14.09.09, Kategorie: Pressemitteilungen

Offen und einladend – auch für gleichgeschlechtlich Liebende

Westfälische Landeskirche: Dialog mit Amerikanern über Homosexualität

Diskutierten beim UCC-Forum in Haus Villigst (von links): Alfred Menzel, Christa Kronshage und Stephen Gray.

„Wir sind offen und einladend. Alle sind in unserer Kirche herzlich willkommen“, heißt es in dem Grundsatzprogramm, das sich die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) 2004 gegeben hat. Aber gilt das auch für homosexuelle Menschen? Mit dieser Frage befasste sich eine Tagung am Wochenende (11. und 12. September) in Schwerte-Villigst. Das Thema wurde im Austausch mit Gästen von der United Church of Christ (UCC) diskutiert. Diese nordamerikanische Kirche ist mit der EKvW partnerschaftlich verbunden.

Die UCC ist derzeit die einzige Kirche in den USA, die eine vorbehaltlose Offenheit für alle Menschen, unabhängig von sexueller Orientierung, auf ihre Fahnen geschrieben hat. Pfarrer Stephen Gray (Indianapolis) berichtete von dem langen und schmerzlichen Prozess, der mit dieser Entscheidung verbunden war. Die UCC-Generalsynode hatte 2005 eine entsprechende Erklärung als Appell an die Gemeinden abgegeben. In der Region Indiana/Kentucky, für die Gray als leitender Theologe (Conference Minister) Verantwortung trägt, erklärten daraufhin zehn Prozent der Gemeinden ihren Austritt aus der UCC.

Gray: Wir dürfen Gott in seiner Kreativität nicht einschränken

Doch Stephen Gray ist überzeugt: „Wenn wir annehmen, Gott habe nur heterosexuelle Menschen geschaffen, schränken wir ihn in seiner Kreativität ein.“ Mit ihrer klaren Botschaft der bedingungslosen Annahme und Offenheit zielte die Generalsynode auch auf eine Veränderung der eigenen Kirche.

Stephen Gray vergleicht die Auseinandersetzung um die Homosexualität mit der früheren Debatte um die Abschaffung der Sklaverei oder die Ordination von Frauen. Nachdem die erste Frau in Amerika bereits 1849 Pfarrerin werden durfte – in einer Kirche, die heute zur UCC gehört –, dauerte es noch weit über hundert Jahre, bis dies so selbstverständlich wurde, wie es heute ist. „Es mag noch lange dauern“, sagt Gray, „aber wir tragen heute ein Stück dazu bei, dass eines Tages alle Menschen so selbstverständlich akzeptiert werden, wie Jesus sie akzeptiert hat.“

EKvW: Mitarbeitende dürfen wegen ihrer Homosexualität nicht benachteiligt werden

In der Evangelischen Kirche von Westfalen gilt seit 1996 ausdrücklich, dass ihre Gemeinden jeder Diskriminierung, Verachtung, Verurteilung und Demütigung gleichgeschlechtlich liebender Menschen in Kirche und Gesellschaft entgegentreten sollen. Pfarrer und andere Mitarbeiter dürfen wegen ihrer Homosexualität bei Personalentscheidungen nicht benachteiligt werden.

Der Bielefelder Pfarrer Alfred Menzel berichtete aus seinem Alltag als homosexueller Pfarrer von manchen zurückliegenden Verletzungen, die heute aber weitgehend einer Gelassenheit, Zuversicht und Selbstverständlichkeit gewichen seien. „Wir müssen unsere sexuelle Orientierung nicht zur Schau stellen, aber auch nicht so tun, als gäbe es sie nicht“, sagte der Theologe.

Superintendent Rüdiger Höcker ergänzte: „Die Linie des Schweigens und Unter-den-Tisch-Kehrens ist überschritten. Wir ringen gemeinsam um theologisch fundierte Antworten.“ Der Dialog müsse mit Betroffenen auf Augenhöhe fortgesetzt werden.


 
 
 
 
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