Hundert Kirchen sind offen - nicht nur zum Gottesdienst
Präses kommt mit dem Fahrrad zur hundertsten Offenen Kirche in Westfalen

Von links: Pfarrer Dr. Carsten Glatt, Pfarrer Reinhard Ernst Bogdan, Präses Alfred Buß und Pfarrerin Sigrid Kuhlmann. Foto: Kerstin Jacobsen
WESTFALEN/SCHLOSS HOLTE-STUKENBROCK - Wer eine evangelische Kirche außerhalb des Gottesdienstes besuchen will, stand bisher oft vor verschlossenen Türen. Doch das ändert sich: Bereits hundert Kirchen in Westfalen tragen nun das Zeichen in den Farben Schwarz, Weiß und Blau, das leicht erkennbar auf eine verlässlich geöffnete Kirche hinweist. Die hundertste ist die Versöhnungskirche in Schloss Holte-Stukenbrock. Präses Alfred Buß hat am Pfingstsamstag (11.6.) das Schild angebracht. Der leitende Theologe kam per Fahrrad aus Bielefeld: Die einhunderste Offene Kirche gehört auch zum Netzwerk Radwegekirchen in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).
Am Pfingstsonntag 2004 erhielt die Paderborner Abdinghofkirche das erste Signet "Offene Kirche" in Westfalen. In sieben Jahren ist die Zahl auf hundert gestiegen. Die Voraussetzung dafür sind: Regelmäßige Öffnung an mindestens fünf Tagen in der Woche für mindestens je vier Stunden, gleichmäßig auf Vor- und Nachmittag verteilt, Mindestöffnungszeit von Anfang April bis Ende September, Informationen für Besucher über das Gebäude und das Leben der Gemeinde, einladend geordneter Zustand. Gemeinden, deren Kirchen diese Bedingungen erfüllen, bekommen das Zeichen von der Landeskirche verliehen.
"Kirchen sind die einzigen öffentlichen Räume, die nicht einem messbaren, direkten Nutzen gewidmet sind", sagte Präses Buß am Samstag in Schloss Holte. "Die offene Kirche bringt unmittelbar zum Ausdruck: Unsere Tür ist auch im weiteren Sinne geöffnet, wir freuen uns über alle, die kommen und fragen dabei nicht nach Herkunft oder Konfession." Wer außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste Ruhe sucht oder Kunst und Architektur genießen will, wer sich besinnen, entspannen, beten oder einfach nur "durchatmen" will, ist hier willkommen. Das gilt auch für Radwanderer: Eine Radwegekirche ist eine Offene Kirche, die unmittelbar an einem Radwanderweg liegt und zusätzlich ein grünes Fahrradzeichen trägt. Davon gibt es derzeit 20 in Westfalen. Am Samstag hatten sich Gemeindemitglieder in einer Fahrrad-Sternfahrt auf den Weg nach Schloss Holte gemacht.
In ganz Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Gegenden ist das einheitliche Zeichen bereits zu finden. In vielen Kirchen können Besucher nicht nur den Raum auf sich wirken lassen, sondern auch eine Kerze anzünden oder ihre Gedanken einem Buch anvertrauen. Mit 47 Offenen Kirchen liegt Ostwestfalen innerhalb der EKvW an der Spitze, gefolgt vom Ruhrgebiet (25).
Die Angst vor Diebstahl oder mutwilligen Zerstörungen hält manche Gemeinde davon ab, ihre Kirchentüren aufzumachen. Nicht überall lässt sich eine regelmäßige Aufsicht organisieren. Doch die Gefahr ist meist kleiner als befürchtet. Von negativen Erfahrungen ist in der westfälischen Landeskirche nichts Nennenswertes bekannt.


