Gourmettempel und Müllberge
Präses Buß ruft zu Wertschätzung von Lebensmitteln auf
WESTFALEN/BIELEFELD. Der westfälische Präses Alfred Buß hat dazu aufgerufen, den Wert von Lebensmitteln neu zu schätzen. Gleichzeitig prangerte er die globalen Spekulationsgeschäfte an, die Lebensmittelpreise künstlich in die Höhe treiben. Vor der Westfälischen Landessynode sagte der leitende Theologe am Montag (14.11.) in seinem Bericht, die Überfluss- und die Wegwerfgesellschaft seien wie ein siamesisches Zwillingspaar: „Auf der einen Seite stehen prächtige Gourmettempel, auf der anderen Seite landen Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.“
Jedes fünfte Brot werde hierzulande weggeworfen oder verbrannt, weltweit – vor allem in Europa und Nordamerika – rund ein Drittel aller Lebensmittel vernichtet. Allein in Deutschland landen jedes Jahr 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Der momentan starke Anstieg der Lebensmittelpreise komme zum einen vom Klimawandel mit vernichtenden Dürren und Überschwemmungen als Folge. Dieses steigende Risiko würden sich Börsenspekulanten zunutze machen, die darauf setzen, dass der frühzeitig ausgehandelte Preis durch eine schwache Ernte oder durch Umweltkatastrophen steigt. Buß: „Im Markt tummeln sich immer mehr, die gar nicht an einer wirklichen Getreidelieferung interessiert sind, nur an der Gewinnmitnahme. Wie in der Euro-Krise treiben auch hier die Finanzmärkte die Politik vor sich her.“
Außerdem führe der verstärkte Anbau von Energiepflanzen zu einem Rückgang der Tropenwälder, zu Belastungen für das Erdklima und zu immer größerer Abhängigkeit der Bauern. Mangel an fruchtbarem Land sei zu 50 Prozent die Ursache des Hungers überall auf der Welt. Was den Kleinbauern fehle, sei in den Händen anderer: „Großgrundbesitzer und Konzerne aus dem In- und Ausland, manchmal sogar fremde Staaten, eignen sich immer mehr fruchtbares Land an. Darauf werden Futtermittel, Energiepflanzen und andere Exportprodukte angebaut. Auf den Äckern der Armen wächst der Sprit der Reichen.“



