07.11.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Landeskirche, Pressemitteilungen

Gier macht Krieg – Teilen macht Frieden

Friedensbeauftrage Muhr-Nelson zum Beginn der ökumenischen Friedensdekade: „Es werden gute Geschäfte gemacht mit dem Tod anderer Menschen“

Plakatmotiv der diesjährigen Friedensdekade. Grafik: Ökumenische Friedensdekade

Plakatmotiv der diesjährigen Friedensdekade. Grafik: Ökumenische Friedensdekade

WESTFALEN/UNNA - Christen haben die Freiheit zum Widerspruch gegen wirtschaftlichen Profit um jeden Preis. Das hat Annette Muhr-Nelson, Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen, am Sonntag (6.11.) betont. Zum Auftakt der ökumenischen Friedensdekade sagte sie im Gottesdienst in der Stadtkirche Unna, Gottes Liebe befreie von Habgier und von der Versklavung an den irdischen Besitz.

„Diese Welt ist Gottes Welt für uns Menschen. Er hat sie uns geschenkt, damit wir alle Möglichkeiten haben, hier miteinander glücklich und in Frieden zu leben“, so die Friedensbeauftragte. Schon jetzt stoße die Menschheit angesichts knapper werdender Ressourcen an ihre Grenzen. Wirtschaftswachstum könne nicht mehr das Ziel moderner Staaten sein, sondern Nahrung und Bildung für alle, Solidarität und Menschlichkeit. „Gier macht Krieg, aber Teilen macht Frieden“, sagte die Theologin, die hauptberuflich Superintendentin des Kirchenkreises Unna ist. Es könne zur Besessenheit werden, immer mehr haben zu wollen, immer den besten Zinsen hinterherzulaufen. „Wenn mein Wert sich an der Höhe meines Bankkontos bemisst, dann bin ich tatsächlich arm dran, wenn die Banken pleite machen.“

Scharf kritisierte sie das Geschäft mit den Rüstungsexporten. Deutschland ist als drittgrößter Rüstungsexporteur mit elf Prozent am internationalen Waffenhandel beteiligt: „Es werden gute Geschäfte gemacht mit dem Tod anderer Menschen. Wo die Rendite hoch ist, kann ein Krieg – weit weg von uns – die Ursache dafür sein. Gier macht Krieg. Gier tötet. Die Opfer sehen wir nicht.“

Einzelne seien diesen Zusammenhängen nicht machtlos ausgeliefert. Jeder könne von der Regierung Aufklärung fordern – etwa über die Wege deutscher Exportwaffen. Jeder könne sich für seine Geldanlagen Banken suchen, die ethischen Maßstäben entsprechen und die nur in Fonds investieren, an denen kein Unternehmen der Rüstungsindustrie beteiligt ist.

Unter dem Motto „Gier Macht Krieg“ lädt die ökumenische Friedensdekade in diesem Jahr vom 6. bis 16. November bundesweit zu Informationsveranstaltungen, Gottesdiensten, Friedensgebeten, Mahnwachen und politischen Diskussionen gegen Gewalt und Krieg ein. Seit mehr als drei Jahrzehnten sind christliche Kirchen verschiedener Konfessionen Veranstalter der Friedensdekade, die alljährlich im November in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag Anstöße zum Beten und Handeln für den Frieden gibt. Sie steht immer unter einem biblisch orientierten Thema.




 
 
 
 
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