Evangelisch mit Leidenschaft
Westfälische Landeskirche feiert das Jubiläum ihrer demokratischen Struktur - Fest am 18. Juni in Unna

Dr. Manfred Scholle (rechts), Präses Alfred Buß (links) und Superintendentin Annette Muhr-Nelson laden zum Kirchentag in Unna ein. Der Präses brachte zum Pressetermin eine historische Synodenglocke mit. Foto: EKvW
UNNA/WESTFALEN - Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) feiert das Jubiläum ihrer demokratischen Struktur: Vor 400 Jahren, im März 1611, tagte in Unna die erste märkische reformierte Synode. Mit dieser kirchenleitenden Versammlung wurde der Grund gelegt für den Aufbau „von unten nach oben“, der die westfälische Landeskirche bis heute prägt. „Dieser dezentrale Aufbau ist ein evangelisches Markenzeichen“, erklärte Präses Alfred Buß am Freitag (4.3.) in Unna. Am 18. Juni findet dort unter dem Motto „evangelisch mit Leidenschaft“ ein großes Fest statt.
Auf allen Ebenen wird die evangelische Kirche von gewählten Gremien geleitet. In Westfalen sind das die Gemeinden mit einem Presbyterium an der Spitze, die Kirchenkreise mit ihren Kreissynoden und die Landeskirche mit der Landessynode als höchstem Leitungsgremium. Über Abgeordnete in den Synoden wirken die Kirchengemeinden an der Leitung der Landeskirche mit.
„Unsere Kirchenordnung beruht darauf, dass sich auf allen Ebenen Menschen finden, die bereit sind, Zeit und Energie, Sachverstand und Begabung einzubringen, um gemeinsam mit vielen anderen Kirche zu gestalten“, sagte Präses Buß als leitender Theologe der EKvW. Dr. Manfred Scholle, nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung, erklärte: „Ich bin in dieser Kirche und gestalte ihre Leitung mit, weil Kirche für mich Gemeinschaft ist. Für diese Gemeinschaft will ich etwas tun, und das tue ich gerne.“ Scholle, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG, räumte ein, dass die Ordnung der evangelischen Kirche mit ihren vielen Abstimmungsprozessen oft auch „mühsam und umständlich“ sei.
„Aber unser kollegiales Leitungsprinzip verhindert, dass sich zu viel Machtfülle auf eine Person konzentriert.“ Präses Buß ergänzte: „Theologinnen und Theologen, die für ihr Amt ordiniert sind, und Nichttheologen, die andere Berufe ausüben, leiten die Kirche gemeinsam und gleichberechtigt.“
Sie alle sind aus ganz Westfalen am 18. Juni zu dem Fest nach Unna eingeladen. Erwartet werden etwa tausend Teilnehmer. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird ein Grußwort sprechen, Dr. Fulbert Steffensky, Religionspädagoge und Publizist, hält die zentrale Bibelarbeit. Foren und Workshops in der ganzen Innenstadt von Unna befassen sich mit Themen wie „Wir sind Kirche“ oder „Zukunft der Demokratie - Macht Kirche Politik!?“ Zum Jubiläum, das als kleiner Kirchentag gestaltet wird, gehört auch ein umfangreiches und vielfältiges Kulturprogramm mit Musik und Kabarett.
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