Ein Paket mit unübersichtlichem Inhalt
Zweites „Fachgespräch Kinderarmut“ zum Bildungs- und Teilhabe-Paket
NRW - Mit dem Bildungs- und Teilhabe-Paket wird die Situation armer Kinder und Jugendlicher zwar politisch ernst genommen, doch es mutet den Anspruchsberechtigten und den umsetzenden Behörden sehr viel zu. Darüber waren sich die 22 Experten einig, die am Dienstag (20.9.) in Haus Villigst/Schwerte zusammengekommen waren. Eingeladen hatte zu diesem zweiten „Fachgespräch Kinderarmut“ der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß. Einerseits seien beim Bildungs- und Teilhabe-Paket die Beteiligungschancen Heranwachsender in wichtigen Lebensbereichen im Blick. Andererseits sei die Fülle der personen- und anlassbezogenen Einzelleistungen für die Betroffenen unübersichtlich und erzeuge „einen Wust von Bürokratie“, hieß es.
Thema war das vom Bund beschlossene Bildungs- und Teilhabe-Paket (BuTP). Es soll 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche unterstützen, deren Eltern leistungsberechtigt nach dem Sozialgesetzbuch II sind (insbesondere Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld), Sozialhilfe, den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Im Durchschnitt ist jedes fünfte Kind arm, in vielen Kommunen sogar jedes dritte. Wie schwer es ist, mit dem BuTP bessere Chancen für einzelne Kinder zu erwirken, darüber diskutierten Spezialisten aus Politik, Kirche und Gesellschaft.
Wie der bürokratische Aufwand verringert werden kann, erläuterte Norbert Diekmännken vom Kreis Unna: Wenn auf Kreisebene die Verwaltung des BuTP gebündelt wird, kommt das Geld schneller bei den Kindern an. In der Region müsse es einen Ort geben, wo Konzepte zur Umsetzung des BuTP und weitere Strategien gegen Kinderarmut verabredet werden. Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass kommunale Netze gegen Kinderarmut weiter wichtig sind. Nikolaus Immer von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe betonte, wie wichtig das „Hinwirkungsgebot“ im Gesetz sei: Die Antragsberechtigten müssen über ihre Möglichkeiten und Ansprüche informiert werden – die Anträge sollen so einfach wie möglich sein. Beim „warmen Mittagessen“, wo Leistungen pauschaliert abgerechnet werden können, sei es einfacher. Die Diakonie und die anderen Wohlfahrtsverbände würden hier oft eine „Lotsenfunktion“ wahrnehmen.
Wichtig sind die Menschen, die Kinder und Jugendliche begleiten und ihre Talente fördern, die ihre Motivation, sich zu bilden anregen und ihnen Möglichkeiten aufzeigen, fasste Landesmännerpfarrer Dieter Rothardt von Institut für Kirche und Gesellschaft zusammen. Über viele Impulse müsse weiter gedacht werden, schloss Präses Buß und lud zu einem weiteren Fachgespräch im nächsten Jahr ein: „Die Kinder brauchen Kümmerer vor Ort, die sich für ihr Wohl einsetzen.“ Vertreter der Regierungspräsidien, der Bistümer Essen, Paderborn und Münster, der Lippischen Landeskirche und der Evangelischen Kirche von Westfalen hatten vor eineinhalb Jahren einen Austausch auf Expertenebene zum Thema Kinderarmut vereinbart. Auf diese Initiative hin lud Präses Buß jetzt zum zweiten Mal Spitzenvertreter der jeweiligen Institution und weitere Experten nach Haus Villigst ein.



