„Die Menschen rütteln an den Stäben“
Westfälische Kirchenleitung im Gespräch mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen

Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Foto: EKvW
ROM/WESTFALEN - Der westfälische Präses Alfred Buß hat auf die wachsende ökumenische Ungeduld evangelischer und katholischer Christen hingewiesen. „Die Menschen in den Gemeinden rütteln an den Stäben“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) am Donnerstag (28.4.) in Rom in einem Gespräch mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch.
Vor allem das unterschiedliche Amtsverständnis der Kirchen steht einer Einheit im Weg. Das wurde in dem Gespräch deutlich, das im Rahmen eines Partnerschaftsbesuch der westfälischen Kirchenleitung stattfand. Nach katholischer Auffassung ist das geweihte Bischofsamt für die Kirche unverzichtbar. Auch die evangelische Kirche kennt das Predigtamt, für das sie Pfarrerinnen und Pfarrer ordiniert. Doch dieses Amt leitet sich nicht aus einer höheren Weihe ab, sondern erhält seinen Sinn aus der Aufgabe, die es erfüllt.
Beide Seiten betonten die großen Fortschritte des ökumenischen Dialogs im Lauf der vergangenen 50 Jahre. Allerdings war man sich darüber einig, dass sich dieser Dialog derzeit in einer schwierigen Phase befindet. Während Kardinal Koch die „Zersplitterung“ des Protestantismus beklagte, nannte Präses Buß als Ziel des Gesprächs zwischen Protestanten und Katholiken die „versöhnte Verschiedenheit“: Aus evangelischer Sicht sei eine Einheit der Kirche anzustreben, in der unterschiedliche Traditionen Bestand haben, ohne dass sie kirchentrennend wirken. Kardinal Koch plädierte dafür, zunächst „alles gemeinsam zu tun, was wir ohne Probleme gemeinsam tun können“. Was das gemeinsame Abendmahl in konfessionsverschiedenen Ehen betrifft, „müssen wir in der katholischen Kirche noch viel überlegen“, räumte er ein.
Noch bis Sonntag ist eine zehnköpfige Delegation unter Leitung von Präses Buß in Italien unterwegs, um die evangelische Waldenserkirche zu besuchen, mit der die EKvW partnerschaftlich verbunden ist. Die Wurzeln der evangelischen Minderheitskirche reichen ins 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde früher verfolgt. Die Waldenser zeichnen sich durch starkes soziales Engagement aus, etwa in der Hilfe für Flüchtlinge.
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