Die Bibel ist kein Fertiggericht und kein Einheitsbrei
Präses Alfred Buß über christliche Freiheit

Die Bibel ist kein Einheitsbrei. Das sagte Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, am Bibelsonntag in der Dortmunder Reinoldikirche. Foto: iStockphoto.com/Montage: EKvW
DORTMUND/WESTFALEN - Christliche Freiheit ist von Gott geschenkte Freiheit. Sie bewahrt vor Eigennutz, Streit und Neid, sagte Präses Alfred Buß in seiner Predigt zum Ökumenischen Bibelsonntag (30.1.) in Dortmund. Der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) schilderte diese unverdiente Freiheit als Gegenbild zur „Marke Ich“. Die von Gott geschenkte Freiheit befreie auch von dem Zwang, sich selbst perfekt machen zu wollen.
Freiheit in diesem Sinne brauche keine „moralische Aufrüstung“. Wer das Geschenk dieser Freiheit annehme, werde liebevoll auf andere zugehen: „Ich werde von Gott geliebt, deshalb kann ich mich selbst und andere lieben. Darum hat ein Christenmensch auch die Freiheit, den Mund aufzumachen für das Leben.“
Präses Buß rief dazu auf, die Bibel im Vertrauen auf Gottes Geist zu lesen: „Nicht als Fertiggericht oder Einheitsbrei“, sondern achtsam und auf der Suche nach dem, „was mich hier und heute bewegt“. Dann könne man auch mit den – scheinbaren oder tatsächlichen – Widersprüchen der Bibel umgehen lernen. Dann wachse das Vertrauen darauf, dass sich in der Bibel Gottes Wort zum Leben findet.
Am Bibelsonntag sind die Deutsche Bibelgesellschaft (DBG) und das Katholische Bibelwerk beteiligt. Die Aktion Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft bittet Kirchengemeinden um Kollekten für Schulbibeln in Ghana. Die Bibelgesellschaft Ghanas verteilte 2010 rund 200.000 Bibeln an den Schulen des Landes. Doch nach Angaben der Weltbibelhilfe besteht weiter großer Bedarf, da seit 1965 das erste Mal wieder kostenlos Bibeln in die Schulen gegeben werden.
1975 empfahlen das Evangelische und das Katholische Bibelwerk sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg einheitlich den letzten Sonntag im Januar als Bibelsonntag zu feiern. Der 31. Januar 1982 war dann der erste bundesweit ökumenisch begangene Bibelsonntag. In einer Empfehlung erinnerte die ACK an „die ökumenische Bedeutung der Heiligen Schrift als der allen Kirchen gemeinsamen Grundlage ihres christlichen Glaubens und Lebens“.


