Westfälische Landeskirche: Gegen Fracking
Methode zur Erdgasgewinnung gefährlich für Umwelt und Gesundheit

Kirchenleitungsmitglied Dr. Manfred Scholle: "Ohne objektive Umweltverträglichkeitsprüfung ist Fracking unverantwortlich.“. Foto: EKvW
WESTFALEN/BIELEFELD - Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) lehnt Fracking als Methode zur Erdgasgewinnung ab. Die Landessynode als höchstes Entscheidungsgremium hat den Bestrebungen, „nach unkonventionellen Gasvorkommen zu suchen und diese durch das sogenannte hydraulic fracturing (Fracking) zu erschließen“, am Freitag (18.11.) eine klare Absage erteilt. In Deutschland solle wie in Frankreich ein konsequentes Fracking-Verbot gelten.
Fracking setzt im Gestein eingeschlossenes Erdgas frei. Dazu wird ein Wasser-Sand-Gemisch mit teilweise giftigen Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Diese Technik birgt Gefahren für die Gesundheit, wie Störfälle in den USA zeigen. Die vom Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW erarbeitete Stellungnahme nennt unter anderem folgende Risiken: Die Fracking-Flüssigkeit kann Wasser und Boden mit Säuren, krebserregenden Verbindungen und anderen Giften verunreinigen; Schwermetalle und radioaktive Verbindungen aus dem Gestein gelangen an die Oberfläche.
Die Methode verbraucht viel mehr Fläche als die konventionelle Gasförderung. Auch fallen große Mengen an Abwasser an, dessen Reinigung nicht in herkömmlichen Kläranlagen erfolgen kann. Im Übrigen entstehen mehr Treibhausgase als bei der Förderung und Verbrennung von Kohle.
Dr. Manfred Scholle, Mitglied der Kirchenleitung und bis vor kurzem Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG: „Diese Technik ist unverantwortlich: Sie ist eine Gefahr für Leib und Leben – das gilt für uns und nachfolgende Generationen. Deshalb wehren wir uns entschieden dagegen. Denken wir an die Ruhr und den Halterer Stausee, die zusammen Trinkwasser für fünf Millionen Menschen liefern. Ohne eine objektive Umweltverträglichkeitsprüfung darf es kein Fracking geben.“
Das westfälische „Kirchenparlament“ begrüßt die Entscheidung des Landes NRW, bis zum Vorliegen unabhängiger Gutachten keine Fracking-Probebohrungen zu genehmigen. In Nordrhein-Westfalen wollen große Energiefirmen Erdgas aus Schiefergestein gewinnen. Für insgesamt 18.000 Quadratkilometer haben sie bereits eine Genehmigung für das Aufsuchen erhalten.
Die Bezirksregierung Arnsberg hat bereits 20 Bergbauberechtigungen zum Aufsuchen von unkonventionellem Erdgas erteilt. Eine Erkundungsbohrung in Stemwede (Kreis Minden-Lübbecke) wurde durchgeführt, weitere sind bislang in Nordwalde, Borken und Drensteinfurt geplant. Das Bundesberggesetz sieht weder eine Beteiligung der Öffentlichkeit noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Die Landessynode fordert die Bundesregierung auf, eine grundlegende Reform des veralteten Bundesberggesetzes einzuleiten.


