Sonderpädagogische Ausbildung – eine Rarität in Afrika
Präses Buß legt Grundstein für Hörsaalgebäude einer kirchlichen Universität in Tansania
WESTFALEN/TANSANIA - Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung werden in Afrika häufig diskriminiert. Dagegen engagiert sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELCT) auf vielfältige Weise – mit Unterstützung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Dazu gehört auch die wissenschaftliche Ausbildung in sonderpädagogischen und heilpädagogischen Berufen. Am Sonntag (28.8.) legte der westfälische Präses Alfred Buß den Grundstein für ein Hörsaalgebäude der kirchlichen Universität in Lushoto.
Hier besteht ein Kolleg mit sonderpädagogischem Schwerpunkt – eines der wenigen in ganz Afrika. Die Anfänge waren bescheiden, der Zuspruch ist enorm: 2007 nahm das Sebastian-Kolowa-University-College (SEKUCO) mit 138 Studenten seinen Betrieb auf, jetzt sind es 1.800 bei weiter steigender Tendenz. Präses Buß unterstrich bei der Grundsteinlegung die Verantwortung der Kirche, die aus der Taufe folgt: „Getauft sein bedeutet: Gottes Geist Raum geben. Das heißt auch für Bildung sorgen, allen Chancen geben, Behinderten und Nichtbehinderten. Diese Universität ermöglicht es Menschen, den Kreislauf der Armut zu verlassen.“
Das Universitätskolleg in Lushoto hat ehrgeizige Ziele: „Wir wollen eine führende Hochschule in Afrika werden, die sich für die Menschenwürde aller Mitglieder der Gesellschaft einsetzt, einschließlich Menschen mit Behinderung, und wo jeder lernen und leben kann im Einklang mit Gott, seinen Mitmenschen und der ganzen Schöpfung“, erklärte Direktorin Dr. Anneth Munga. Zahlreiche diakonische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe ermöglichen eine gute Verbindung von Theorie und Praxis. Das Kolleg ist außerdem offen für behinderte Studenten und entsprechend ausgestattet – auch dies eine Rarität in Afrika.
Die Nordost-Diözese der lutherischen Kirche Tansanias hat ihre Wurzeln in der Bethel-Mission. Bischof Dr. Stephen Munga erinnerte an den Geist von Friedrich von Bodelschwingh, auf den Europas größte diakonische Einrichtung in Bielefeld-Bethel zurückgeht. Derselbe Pioniergeist voller Gottvertrauen habe auch den Aufbau des Universitätskollegs in Lushoto ermöglicht, ergänzte der westfälische Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller. Die Hochschule im ländlichen Gebiet der Usambara-Berge hat auch eine juristische und eine technische Fakultät, wo man den Bachelor-Abschluss erwerben kann. Umweltschutz und Ökotourismus, Betriebswirtschaft, Psychiatrie sowie Kommunikationswissenschaft sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.
Noch bis 6. September ist eine Delegation der Evangelischen Kirche von Westfalen unter Leitung von Präses Alfred Buß zu Besuch bei den Partnerkirchen in Tansania und Kamerun.
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